Die Armutsbetroffenheit ist im Betrachtungszeitraum der letzten fünf Jahre auf ihrem Höchststand. Insgesamt 13,3 Millionen Menschen sind hierzulande von Einkommensarmut betroffen. Die Armutsquote liegt bei 16,1 Prozent.

Frauen sind mit 16,7 Prozent etwas häufiger von Armut betroffen als Männer mit 15,6 Prozent.
Bei älteren Menschen ist die Situation unvermindert angespannt: Die Armutsquote liegt bei 19,5 Prozent. Damit ist inzwischen etwa jede fünfte Person ab 65 Jahren von Armut betroffen. Der Lebensabend droht zur Armutsfalle zu werden.
Ein-Personen-Haushalte und Alleinerziehende zählen zu den am stärksten von Armut betroffenen Haushaltstypen. Mit einer Armutsquote von 30,3 Prozent bei Alleinlebenden und 28,9 Prozent bei Alleinerziehenden ist jeweils rund jede dritte Person in diesen Lebenslagen betroffen.
Aktuelle Vorschläge der Regierung zum Sozialabbau (z. B. bei Wohngeld und Unterhaltsvorschuss) drohen die Armut bei Gruppen, die ohnehin besonders von Armut betroffenen sind, wie ältere Menschen und Alleinerziehende zu verschärfen.
Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind erheblich: Während in Bayern etwa jede achte Person von Armut betroffen ist, gilt dies in Sachsen-Anhalt für mehr als jede fünfte Person. In Bremen lebt sogar mehr als jede vierte Person in Armut. 4,6 Millionen Personen leben in erheblicher materieller Entbehrung. Darunter etwa 1 Million minderjährige Kinder und Jugendliche und 650.000 Altersrentner.
Der neue Bericht kann hier im Original heruntergeladen werden:
| ➔ Greta Schabram et al. (2026): Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit. Paritätischer Armutsbericht, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband, Juni 2026 |
Aus der Medienberichterstattung Anfang Juni 2026:
➔ Tagesschau Online: Armut in Deutschland nimmt zu (02.06.2026): In Deutschland leben laut dem Paritätischen Gesamtverband so viele Menschen in Armut wie noch nie seit 2020. Besonders betroffen sind demnach Alleinerziehende, Alleinlebende und Ältere. Regionale Unterschiede bleiben groß.
➔ Deutschlandfunk: 16 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leben in Armut – höchster Wert seit 2020 (02.06.2026): In Deutschland sind laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband so viele Menschen armutsbetroffen wie seit 2020 nicht mehr. Im vergangenen Jahr seien es rund 13,3 Millionen Menschen gewesen – etwa 16 Prozent der Bevölkerung, erklärte der Verband unter Berufung auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
➔ Süddeutsche Zeitung Online: Bericht: „Trauriger Rekord“ bei Armut in Deutschland (02.06.2026): Viele Menschen in Deutschland wissen nicht, wie sie die Rechnungen für Strom, Heizung oder einen neuen Kühlschrank zahlen sollen. Regional sind die Unterschiede dabei groß.
Wo kommen die Zahlen her?
Es handelt sich um Daten aus der amtlichen Sozialberichterstattung. Bereits im Februar 2026 hatte das Statistische Bundesamt unter der Überschrift 16,1 % der Bevölkerung in Deutschland sind armutsgefährdet mitgeteilt: »Rund 13,3 Millionen Menschen in Deutschland hatten zuletzt ein Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze und galten deshalb als armutsgefährdet. Das waren 16,1 % der Bevölkerung.«
Ein Jahr zuvor hatte die Armutsgefährdungsquote bei 15,5 % gelegen.
Es gibt noch eine erweiterte Quote, die nicht nur die Einkommensarmutsgefährdung berücksichtigt, sondern auch Teilhabeaspekte einzufangen versucht:
»Betrachtet man neben der Einkommenssituation auch die Möglichkeiten der Menschen zur Teilhabe an der Gesellschaft, zeigt sich ein umfassenderes Bild der sozialen Lage. In Deutschland waren im Jahr 2025 rund 17,6 Millionen Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, das waren 21,2 % der Bevölkerung. Gegenüber dem Vorjahr (21,1 %) blieb dieser Anteil nahezu unverändert. Nach EU-Definition gilt eine Person als von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht, wenn mindestens eine der folgenden drei Bedingungen zutrifft: Ihr Einkommen liegt unter der Armutsgefährdungsgrenze, ihr Haushalt ist von erheblicher materieller und sozialer Entbehrung betroffen oder sie lebt in einem Haushalt mit sehr geringer Erwerbsbeteiligung.«
Bei den Bundesstatistikern findet man diese wichtigen methodischen Hinweise:
➔ »Nach Definition der Europäischen Union (EU) gilt eine Person als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 % des mittleren Äquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. 2025 lag dieser Schwellenwert für eine alleinlebende Person in Deutschland netto (nach Steuern und Sozialabgaben) bei 1.446 Euro im Monat (2024: 1.381 Euro) und für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren bei 3.036 Euro im Monat (2024: 2.900 Euro). Um das Einkommen vollständig zu erfassen, wird das Jahreseinkommen erfragt.«
Das hat übrigens Folgen, die man bei der Interpretation der Zahlen berücksichtigen sollte:
➔ Die Fragen zum Einkommen beziehen auf das Vorjahr der Erhebung, bei EU-SILC 2025 also auf das Jahr 2024.