Der Bundesteilhabepreis 2026: Auszeichnung für vorbildliche Projekte im Bereich inklusiver Berufseinstieg für junge Menschen mit Behinderungen

Der Bundesteilhabepreis wird seit 2019 jährlich durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vergeben. Er soll Vorbilder der gelungenen inklusiven Sozialraumgestaltung auszeichnen. Jedes Jahr hat der Preis einen anderen Schwerpunkt.

In diesem Jahr ging es um „BERUFSEINSTIEG INKLUSIV – Übergang von der beruflichen Bildung in den Arbeitsmarkt für junge Menschen mit Behinderungen“.

»Insgesamt wurden 119 Beiträge für den Bundesteilhabepreis 2026 eingereicht. Eine unabhängige Fachjury, bestehend aus 12 Expertinnen und Experten der Verbände von Menschen mit Behinderungen sowie aus den Kommunen und den Ländern, hat die Preisträger weisungsfrei und anonymisiert ausgewählt.« So die Darstellung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS): Bundesteilhabepreis 2026 verliehen.

Dort gibt es natürlich auch ein Zitat der amtierenden Ministerin:

»Ob jemand am Arbeitsmarkt teilhaben kann oder nicht – das entscheidet sich oft schon in jungen Jahren, beim Übergang von der Schule in den Beruf. Dieser Übergang ist gerade für junge Menschen mit Beeinträchtigungen besonders herausfordernd. Im Rahmen des diesjährigen Bundesteilhabepreises wurden viele tolle Projekte eingereicht und prämiert, die zeigen, wie der Einstieg in den Arbeitsmarkt gelingen kann. Ich wünsche mir, dass diese Projekte viele andere Akteure am Arbeitsmarkt dazu motivieren, jungen Menschen mit Beeinträchtigung den Weg in Ausbildung und Arbeit zu ermöglichen.« (Bärbel Bas, SPD)

Wer sind die in diesem Jahr Ausgezeichneten?

Der 1. Preis ging an die Schauspielschule DER KELLER in Köln für das Projekt: Rheinkompanie – professionelle Schauspielausbildung für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung.

»Mit dem Projekt „Rheinkompanie“ bietet die Schauspielschule DER KELLER in Köln seit September 2024 jungen Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit, gemeinsam mit Menschen ohne Behinderungen eine professionelle Schauspielausbildung zu absolvieren. Die Ausbildung ist personenzentriert, inklusiv und ausgerichtet auf den Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt von Theater, Film- und Fernsehen. Sie erfolgt vollumfänglich auf Augenhöhe, auch was die Förderung und Forderung der kreativen Leistung betrifft.

Die Website der Schauspielschule DER KELLER in Köln: https://schauspielschule.koeln/rheinkompanie-inklusive-schauspielausbildung/

Besonders ist ebenfalls die Kombination aus dem inklusiven Unterricht aller Schülerinnen und Schüler sowie die regelmäßige individuelle Förderung der Auszubildenden mit kognitiver Beeinträchtigung. Diese Art der Ausbildung und die regelmäßigen öffentlichen Auftritte stärken das Selbstbewusstsein und die Selbstständigkeit der Schauspielschülerinnen und -schüler.

Das innovative Angebot schließt eine Lücke: Es schafft erstmals einen professionellen Ausbildungsort, der jungen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigung den Zugang zu dem besonderen Berufsfeld Schauspieler ermöglicht. Damit wird auch ein wichtiger Schritt zur authentischen Repräsentation von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigungen in Film, Theater und Fernsehen geleistet und die Breite der Gesellschaft auch dort sichtbar gemacht. Das Projekt verbindet gesellschaftspolitische Relevanz mit praktischer Umsetzung, schafft sichtbare Vorbilder und öffnet Türen für eine Branche, die bislang kaum inklusiv agiert.«

Der 2. Preis wurde dem Projekt: inKlub Startup Mentoring Programm des Vereins inKlub e. V. mit Sitz in Köln verliehen.

Die Website des Vereins inKlub: https://inklub.eu/ueber-uns/

»Im „inKlub Startup Mentoring Programm“ werden junge, gründungsinteressierte Menschen mit Behinderungen dazu qualifiziert, ihre Geschäftsideen umzusetzen.

Das sechsmonatige Programm schafft erstmals für Menschen mit Behinderungen barrierefreie Rahmenbedingungen, die sie benötigen, um ihr unternehmerisches Potenzial zu entfalten. Das Bewerbungsverfahren ist ebenso barrierefrei wie die Kommunikation im Mentoring. Während des Programms wird individuell auf die Bedürfnisse der Einzelnen eingegangen. Zum Abschluss präsentieren die Teilnehmenden ihre Geschäftsideen bei einem Investoren-Tag im Livestream vor Publikum und einer Fachjury.

Die Qualität des Angebots wird auch weiterhin nach dem Mentoring durch eine deutschlandweite inklusive Gründungs-Community gesichert. Das Projekt demonstriert eindrucksvoll, wie junge Menschen mit Behinderungen nicht nur am Arbeitsmarkt teilhaben, sondern ihn aktiv verändern können. Dieses Mentoring-Programm ist nachhaltig: Als Unternehmerinnen und Unternehmer schaffen sich die Teilnehmenden einen eigenen, passgenauen Arbeitsplatz – und gestalten als inklusive Unternehmen den Weg zu einem inklusiven Arbeitsmarkt mit.«

Der 3. Preis ging an das Projekt: „Inklusion leben“ – Menschen mit Beeinträchtigungen als Kita-Assistenz der eva Kinderbetreuung gGmbH in Stuttgart

Die Website des Projekts „Inklusion leben“ – Menschen mit Beeinträchtigungen als Kita-Assistenz: https://eva-lino.de/inklusion-leben/

»Das Projekt „Inklusion leben“ qualifiziert Menschen mit Behinderungen zur Kita-Assistenz. Das Angebot ist eine sechsmonatige, dual angelegte Qualifizierung. Es richtet sich insbesondere an junge Menschen mit Beeinträchtigungen, die aufgrund fehlender schulischer Abschlüsse keinen Zugang zu regulären Ausbildungswegen haben. Die Qualifizierung verbindet begleitenden Unterricht mit kontinuierlichen Praxiseinsätzen in Kindertageseinrichtungen. Zentrales Element ist die individuelle Begleitung der Teilnehmenden: Lernprozesse werden angepasst, klare Strukturen, feste Bezugspersonen und wiederkehrende Abläufe schaffen Sicherheit und fördern Selbstwirksamkeit. Am Ende der Qualifizierung steht eine praxisnahe Leistungsüberprüfung.

Das Projekt hat das Ziel, die Teilnehmenden für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung als Kita-Assistenz im allgemeinen Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Dabei eröffnet es Menschen mit Behinderungen erstmals den Zugang zu pädagogischen Arbeitsfeldern. Es bietet die Chance, selbstbestimmt zu arbeiten, eigene Entscheidungen zu treffen und eigenes Einkommen zu erzielen. Der Ansatz zeigt, dass nachhaltige berufliche Inklusion gelingt, wenn Theorie, Praxis in Kindertageseinrichtungen und individuelle Begleitung von Beginn an eng verzahnt sind. Das Konzept ist auf andere soziale und pädagogische Arbeitsfelder und weitere Regionen übertragbar.«

Wie immer ist das nur eine Auswahl aus zahlreichen wirklich beeindruckenden Projekten.

Die Ausschreibung des Bundesteilhabepreises erfolgt durch die Bundesfachstelle Barriefreiheit und die hat auf einer eigenen Seite zahlreiche weitere Gute-Praxis-Beispiele aus dem diesjährigen Durchgang zusammengestellt und verlinkt:

Gute-Praxis-Beispiele aus dem Bundesteilhabepreis 2026

Es lohnt sich, da mal zu stöbern und sich im besten Fall Anregungen zu besorgen.