In welchen Branchen und Unternehmen landen Geflüchtete und was machen sie da? Diesen Fragen ist eine Studie nachgegangen

Die Diskussion der vergangenen Jahre über die (Nicht- oder „Zu langsam“-)Integration von geflüchteten Menschen in den deutschen Arbeitsmarkt füllt Regalmeter an Archivplatz, wenn man sie denn in Papierform ausdrücken müsste. Den einen ging und geht das Ankommen geflüchteter Menschen in Erwerbsarbeit viel zu schleppend und man bringt das dann auch in einen Zusammenhang mit der sozialstaatlichen Absicherung.

Die anderen verweisen darauf, dass das alles Zeit braucht, dass die deutsche Sprache wenigstens in anwendbaren Grundzügen beherrscht werden muss, dass viele Geflüchtete keinen Zugang finden (können) zu Jobs, die ihrer Qualifikation enstprechen, auf der anderen Seite würden steigende Beschäftigungsquoten doch zeigen, dass der Fortschritt wie fast immer eine Schnecke sei, aber dennoch langsam Früchte trägt.

Was das alles oftmals so unfruchtbar daherkommen lässt ist die Tatsache, dass beide Seiten nicht nur ihre blinden Flecken haben, sondern diese auch kultivieren in ihrem eigenen Biotop.

So weigern sich viele Kritiker. die auf einen defizitäre Arbeitsmarktintegration hinweisen, die zugleich vorhandenen „Erfolgsgeschichten“ einer gelingenden Integration zur Kenntnis zu nehmen und hantieren mit hoch problematischen Verallgemeinerungen, die dann alle einer bestimmten Nationalität zugehörigen Menschen in Kollektivhaft nehmen. Und auch die Tatsache, wie viele migrantische Beschäftigte mittlerweile ganze Branchen am Laufen halten, wird ungern oder gar nicht zur Kenntnis genommen.

Auf der anderen Seite muss man in Teilen der Flucht- und Migrationsforschung eine bewusst-unbewusste (scheinbare) Parteinahme für die von ihnen Beforschten zur Kenntnis nehmen, die dann sehr schnell dazu führen kann, dass man die Geflüchteten ebenfalls in eine Art Kollektivhaft, hier des Opferseins nimmt und nur strukturelle Hindernisse meint erkennen zu können, die dann von der Aufnahmegesellschaft abzubauen sind. So wird beispielsweise die ausgesprochen niedrige Erwerbsbeteiligung geflüchteter Frauen aus bestimmten Herkunftsländern (die nicht nur hochgradig problematisch ist vor dem Zielhintergrundt einer mittelfristigen Nicht-Abhängigkeit von Transferleistungen, sondern auch mit Blick auf eine anzustrebende Integration in die Aufnahmegesellschaft) bei der Ursachenanalyse unterkomplex reduziert auf eine (angeblich) mangelnde Kinderbetreuungsinfratstruktur (die man folglich nur ausbauen und zur Verfügung stellen müsse, dann wird das schon). „Natürlich“ müsste eine wirklich umfassende Aufarbeitung des Themas auch kulturelle, religiöse und andere Einflussfaktoren berücksichtigen und offen behandeln, was dann aber oftmals vermieden wird wie der Teufel um das Weihwasser einen Bogen macht.

In diesem zugleich auch (partei)politisch aufgeheizten und mit anderen parallel laufenden kontroversen Debatten wie der angeblichen Generosität des deutschen Sozialstaates und den ebenfalls angeblich notwendigen Anziehen der Zügel (Stichwort Sanktionen in der Grundsicherung, Null- bzw. Minusrunden bei den Regelbedarfen) vermischten bzw. sich überschneidenden Gemengelage ist es immer wieder erhellend, wenn Arbeitsmarktforscher einen empirischen Blick werfen auf die tatsächliche Entwicklung der Erwerbsintegration und das auch nicht nur punktuell, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg.

Das haben Christian Hohendanner und Florian Zimmermann vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit ihrem Forschungsbericht versucht – und der Titel der Arbeit gibt bereits einen ersten wichtigen Antworthinweis:

➔ Christian Hohendanner und Florian Zimmermann (2026): Beschäftigung Geflüchteter in deutschen Betrieben: Einfache Tätigkeiten überwiegen. IAB-Forschungsbericht, Nr. 7/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juli 2026

Der besondere Ansatzpunkt der Arbeit: Während in der medialen Diskussion oftmals alles um Quoten kreist, also wie viel Prozent der seit 2015 nach Deutschland gekommenen geflüchteten Menschen haben (irgendeine) Arbeit und wie viele nicht, werfen die beiden Wissenschaftler einen Blick auf die „Abnehmer“-Seite:

Die Erwerbsintegration von Geflüchteten wurde bislang selten mit Blick auf die Arbeitgeberseite untersucht. Um diese Lücke zu schließen, wird im Forschungsbericht von Hohendanner/Zimmermann anhand von Daten des IAB-Betriebspanels untersucht, in welchen Betrieben Geflüchtete Beschäftigung finden.

Zu den Befunden der Arbeit:

»Im Mittelpunkt steht ein Vergleich zweier Phasen der Fluchtmigration nach Deutschland: die Jahre 2017 und 2018, also nach Beginn des Bürgerkriegs in Syrien 2015, sowie die Jahre 2022 bis 2025, also nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine.

Neben der zeitlichen Entwicklung wird die strukturelle Verteilung der Geflüchteten auf Branchen, Sektoren, Betriebe unterschiedlicher Größe sowie Regionen betrachtet. Das IAB-Betriebspanel ermöglicht dabei eine repräsentative Betrachtung der Arbeitgeberseite, die in der bisherigen Forschung zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten vergleichsweise selten vorgenommen wurde.

Ein zentrales Ergebnis des Berichts ist, dass sich die Zusammensetzung der Betriebe, in denen die Geflüchteten aus den beiden Phasen der Fluchtmigration nach Deutschland jeweils beschäftigt sind, trotz erheblicher Unterschiede in der demografischen Zusammensetzung der beiden Geflüchtetengruppen, kaum voneinander unterscheidet.

Während es sich bei den Geflüchteten der großen Flüchtlingsbewegung ab 2015 überwiegend um junge Männer mit geringem formalem Bildungsniveau handelte, sind unter den ukrainischen Geflüchteten Frauen überrepräsentiert. Auch das formelle Qualifikationsniveau ist deutlich höher. Gleichwohl fällt die Branchenverteilung beider Gruppen nahezu identisch aus.

Ein erheblicher Teil der Erklärung dürften die bei beiden Gruppen vorhandenen Sprachbarrieren sein sowie die häufig fehlende Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse, die den Zugang zu qualifikationsadäquaten Tätigkeiten erschweren.

In beiden Zeiträumen konzentriert sich die Beschäftigung Geflüchteter auf wenige Branchen mit geringen formalen Zugangsvoraussetzungen. Besonders stark überrepräsentiert sind die Arbeitnehmerüberlassung sowie Wach- und Sicherheitsdienste und der Garten- und Landschaftsbau (je nach betrachtetem Jahr 16 bis 26 Prozent) und das Gastgewerbe (je nach betrachtetem Jahr 14 bis 18 Prozent), während diese Branchen zusammen je nach betrachtetem Jahr nur rund 10 bis 12 Prozent der Gesamtbeschäftigung in Deutschland ausmachen.

Demgegenüber sind Geflüchtete in Branchen mit hohen Sprach- und Qualifikationsanforderungen, darunter das Gesundheits- und Sozialwesen, die öffentliche Verwaltung sowie unternehmensnahe Dienstleistungen, gemessen an ihrem Anteil an der Gesamtbeschäftigung deutlich unterrepräsentiert.

Dies gilt bei den ukrainischen Geflüchteten auch für den frauendominierten sozialen Sektor, obwohl dieser Sektor einen erheblichen Fachkräftebedarf aufweist und der Frauenanteil unter den ukrainischen Geflüchteten hoch ist. Zugleich arbeiten Geflüchtete beider Kohorten häufiger in kleinen und mittleren Betrieben als in Großbetrieben, obwohl letztere gemessen an der Gesamtbeschäftigung erheblich bedeutsamer sind.«

Hinsichtlich der Betriebsgröße zeigt sich, dass Geflüchtete häufiger in kleinen und mittleren Betrieben Beschäftigung finden.

Am Ende des Berichts schwenken die Autoren dann wieder auf die ausgebaute Schnellstraße der reduzierten Debatte über die Anteilswerte ein und platzieren eine Botschaft, die wir auch aus anderen Arbeiten des IAB1 kennen:

»Die Erfahrungen aus dem ersten hohen Flüchtlingszuzug zeigen, dass Beschäftigungsquoten mit wachsender Aufenthaltsdauer deutlich steigen: Unter den 2015 zugezogenen Schutzsuchenden waren neun Jahre nach dem Zuzug 64 Prozent abhängig beschäftigt und damit weitgehend auf dem Niveau des Bevölkerungsdurchschnitts angekommen … Für die ukrainischen Geflüchteten zeichnet sich eine noch schnellere Aufholentwicklung ab: Bereits 42 Monate nach der Ankunft, also nach etwa dreieinhalb Jahren, war die Hälfte der im Frühjahr 2022 zugereisten Ukrainer*innen beschäftigt. Im Gegensatz dazu hatte die 2015er-Kohorte diesen Wert erst nach rund sechs Jahren erreicht … Folgt die ukrainische Kohorte der Integrationsdynamik früherer Gruppen, ist mittel- bis langfristig mit einer weiteren Zunahme der Beschäftigungsquoten zu rechnen. Arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch wäre es zudem wünschenswert, wenn es den Geflüchteten im Zeitverlauf gelingt, auch vermehrt in höherwertige Tätigkeiten und in größere Betriebe mit höheren Löhnen aufzusteigen. Anlass zur Hoffnung gibt, dass auch in der Flüchtlingskohorte der großen Flüchtlingsbewegung 2015 das Anforderungsniveau der Tätigkeiten im Zeitverlauf gestiegen ist.« (Hohendanner/Zimmermann 2026: 14).

Fußnote

  1. Vgl. hierzu beispielsweise Herbert Brücker et al. (2025): 10 Jahre Fluchtmigration 2015: Haben wir es geschafft? Eine Analyse aus Sicht des Arbeitsmarktes. IAB-Kurzbericht, Nr. 17/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2025 und Yuliya  Kosyakova et al. (2026): IAB-BAMF-SOEP-Befragung verknüpft mit BA-Beschäftigungsstatistik: Deutliche Fortschritte bei der Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter. IAB-Kurzbericht, Nr. 3/2026. Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2026.
    ↩︎