Arbeitslosigkeit unter Personen mit akademischer Ausbildung: KI, Konjunktur und Berufseinstieg

Mit einer Quote von 3,3% liegt die Arbeitslosigkeit unter Personen mit akademischer Ausbildung 2025 – trotz des zuletzt negativen Trends – weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Dennoch wird medial über derzeit schwierige Arbeitsmarktbedingungen, insbesondere beim Berufseinstieg, berichtet. Der Tenor: Künstliche Intelligenz werde zur Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Insbesondere Einstiegspositionen sollen durch KI ersetzt werden, wodurch sich Beschäftigungsperspektiven speziell für Berufseinsteiger verschlechtern würden. Auffällig ist vor allem: Verschiedene Entwicklungen laufen zeitlich parallel. Während Künstliche Intelligenz zunehmend in Unternehmen implementiert wird, berichten junge Akademikerinnen und Akademiker über schwierigere Berufseinstiegsbedingungen. Gleichzeitig wird ein sinkender Anteil an ausgeschriebener Einstiegsstellen von einem Jobportal vermeldet.

Künstliche Intelligenz wird zunehmend in Unternehmen implementiert

Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag des Digitalverbands Bitkom stieg der Anteil an Unternehmen, die KI verwenden, seit 2018 rasant an. Im Jahr 2025 ist in 36% der befragten Unternehmen KI bereits im Einsatz, während in 47% der Unternehmen dessen Einsatz geplant oder diskutiert wird. Für lediglich 17% aller befragten Unternehmen ist der Einsatz von KI derzeit kein Thema.

Anteil an Jobs für Berufseinsteiger sinkt stark auf spezifischem Jobportal

Gleichzeitig vermeldet das Jobportal Stepstone, dass der Anteil ausgeschriebener Einstiegsjobs am Gesamtangebot der Plattform im ersten Quartal 2025 45 % unter dem Fünfjahresdurchschnitt lag. So soll nach einem erhöhten Anteil an Jobs für Berufseinsteiger auf der Plattform im Jahr 2021 dieser Anteil seit 2023 in Relation zum Gesamtangebot auf der Plattform stark zurückgegangen sein.

Parallel dazu laufende gesamtwirtschaftliche Entwicklungen

Diese Entwicklungen hinsichtlich KI und Jobangeboten für Berufseinsteiger finden jedoch nicht isoliert statt. Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit mehreren Jahren in einer schwierigen Phase. Die anhaltende Wachstumsschwäche begann jedoch nicht mit der öffentlichen Debatte um die Ersetzbarkeit durch KI und auch nicht erst mit der Corona-Pandemie. Schon vorher stagnierte die wirtschaftliche Dynamik, was sich ebenso durch Stellenabbau sowie einer sinkenden Anzahl des Angebots an (Einstiegs-) Stellen zeitversetzt auf den Arbeitsmarkt auswirken kann.

KI oder Konjunktur? Kausalität oder Korrelation?

Dass der Einsatz von KI zunimmt und gleichzeitig weniger Einstiegsstellen ausgeschrieben werden, bedeutet also nicht automatisch, dass KI für den Rückgang verantwortlich ist. Nur weil diese Entwicklungen zeitgleich verlaufen, muss dies nicht auf Ursache-Wirkungszusammenhängen basieren. Es ist vielmehr gut möglich, dass verschiedenste Einflussfaktoren die Positionierung von (jungen) Menschen mit akademischer Ausbildung und deren Beschäftigungsperspektiven gleichzeitig beeinflussen. Über das Ausmaß der Rolle, die KI in diesem Kontext übernimmt, kann entsprechend nur spekuliert werden.