Wenn die Künstliche Intelligenz (KI) in die Berufsbezeichnungen aufsteigt. Eine Studie hat hier Deutschland sogar als europäischen Spitzenreiter ausgemacht

Über die disruptiven und weitaus bedeutsamer die schleichend daherkommenden Auswirkungen der Diffusion der KI in die Arbeitswelten wurde und wird umfassend spekuliert.

Neben den immer mitlaufenden grundsätzlichen und oftmals marktschreierisch aufgepumpten Diskussionen rund um das alarmistische „Jetzt geht uns aber wirklich die Erwerbsarbeit aus“ versuchen andere eine empirische Annäherung an die Frage, ob und in welchem Ausmaß KI-Fähigkeiten in bestehende Tätigkeits- und Berufsfelder eindringen.

Daran beteiligt sich auch Indeed, eine globale Online-Job-Suchmaschine und Recruiting-Plattform für Arbeitsuche und Personalgewinnung. Diese Plattform kombiniert klassische Stellenbörsen mit einer automatisierten Websuche, um Angebote aus dem gesamten Internet zu bündeln.

Von dort kommt eine besondere Stellenmarkt-Analyse, die von folgendem Gedankengang geleitet ist: Wenn Arbeitgeber „Künstliche Intelligenz“ direkt in die offizielle Berufsbezeichnung aufnehmen, spricht viel dafür, dass die Technologie vom bloßen Hilfsmittel zum Kern der Tätigkeit geworden ist.

Was sind „KI-Jobs“ und wie viele soll es davon jetzt schon geben?

Für den Zeitraum 1. Quartal 2022 bis einschließlich den ersten drei Monaten des Jahres 2026 wurden die Indeed-Stellenanzeigen für USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Spanien analysiert (vgl. dazu Deutschland ist europäischer Spitzenreiter bei neuen KI-Jobs). Und wie hat man versucht, die „KI-Jobs“ zu identifizieren?

➔ Ein Jobtitel gilt als „KI-Beruf“, wenn mindestens fünf Anzeigen pro Quartal Begriffe wie „KI“, „GenAI“, „AGI“ oder „Künstliche Intelligenz“ im Titel führen. Diese Mindestanzahl stellt sicher, dass nur Rollen erfasst werden, in denen KI-Terminologie bereits ein fester Bestandteil der Berufsbezeichnung ist.

Dass die KI vom bloßen Hilfsmittel zum Kern der Tätigkeit geworden sei, dass soll seit 2023 zunehmend der Fall sein – und für den einen oder anderen sicher überraschend: Deutschland führt die Entwicklung in Europa an.

➔ Im ersten Quartal 2026 verzeichnete der deutsche Arbeitsmarkt 288 neue Jobtitel, in denen die Implementierung von KI explizit im Fokus der Tätigkeit steht. 59 Prozent dieser „KI-geprägten“ Berufe (AI touched) in Deutschland sind dabei nicht im Tech-Sektor angesiedelt.

➔ Während die USA bei der absoluten Anzahl der KI-Berufsbezeichnungen mit 822 Vorreiter des Vergleichs sind (davon 63 Prozent außerhalb der Tech-Branche), weist der europäische Markt länderübergreifend 751 neue KI-Jobtitel auf. In Deutschland stieg der Anteil der KI‑geprägten Jobtitel mit 288 aktuell auf 4,2 Prozent aller ausgeschriebenen Berufe. Damit liegt die Bundesrepublik vor Großbritannien (160 Titel), Frankreich (138), Spanien (81) und den Niederlanden (84). Auch beim Anteil der Nicht-Tech-Berufe liegt Deutschland mit seinen 59 Prozent auf der europäischen Spitzenposition, knapp vor den Niederlanden (58 Prozent).

Der Blick auf konkrete Stellenanzeigen in Deutschland könne zeigen, dass auch eher traditionelle Büro- bzw. Wissensberufe zunehmend durch die Sprache der KI neu definiert werden. 

➞ So suchen Unternehmen aktuell gezielt nach „Sachbearbeitern für Digitalisierung mit Schwerpunkt KI“, „HR AI & Automation Managern“ zur Effizienzsteigerung im Personalwesen oder „Sales Operations Managern für KI-basierte Vertriebsprozesse“. Auch im Kundenservice („AI Customer Support Manager“), in der Rechtsberatung („Rechtsanwalt für KI-Regulatorik“), im Marketing („AI-Driven Content Creator“) und in der Bildung („Dozenten für KI & Digitale Bildung“) weisen Jobtitel inzwischen explizit auf den KI-Fokus hin.

Aber …

Wie immer bei solchen Meldungen sollte man die Begrenzungen der Aussagefähigkeit vor Augen haben.

Denn zum einen geht es hier um eine Analyse einer Online-Job-Suchmaschine, die natürlich nicht nur lediglich einen Teil der Stellenbedarfe abbildet, sondern darüber hinaus kann man davon ausgehen, dass die dort beworbenen Stellen durchaus „verzerrt“ sind mit Blick auf eine Nähe zu KI-relevanten Tätigkeiten.

Und schaut man sich dann die Darstellung der „KI-Berufe nach Berufsgruppen“ an, also der Anteil der von KI betroffenen Berufsbezeichnungen (mit mindestens 5 Stellenanzeigen, in deren Titel „KI“ erwähnt wird) nach Berufsgruppe im 1. Quartal 2026, dann bekommt man prozentuale Werte präsentiert, die sich auf die besondere Grundgesamtheit der Indeed-Stellenanzeigen beziehen.

Da wird dann für die „Software-Entwicklung“ ein Anteilswert von 29,9 Prozent ausgewiesen, für das „Management“ von 11,2 Prozent und den „Vertrieb“ in Höhe von 7,6 Prozent.

Aber eben auch bescheidene 0,8 Prozent für „Banken & Finanzwesen“ oder „Personalwesen“.

Das mag verdeutlichen, dass man die hier ins Visier genommene Entwicklung auch wieder größenmäßig erden sollte.