»Einerseits ist die duale Ausbildung noch immer ein zentrales Instrument der Fachkräftesicherung, und das Ausbildungsinteresse von Jugendlichen hat aktuell leicht zugenommen. Andererseits belasten wirtschaftliche Unsicherheit, rückläufige Ausbildungsangebote und anhaltende Passungsprobleme den Ausbildungsmarkt.
Angesichts der Verschlechterung der wirtschaftlichen Aussichten durch die Folgen des Iran-Krieges ist zu befürchten, dass das Ausbildungsplatzangebot 2026 weiter sinkt und die Zahl der in diesem Jahr neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge sogar unter den Tiefststand von 2020 fallen könnte. Trotz einer steigenden Zahl an unversorgten Jugendlichen ist paradoxerweise damit zu rechnen, dass die Nichtbesetzungsquote von Ausbildungsstellen weiter hoch bleiben wird.«
Wer schreibt so etwas?
Bernd Fitzenberger, Ute Leber und Barbara Schwengler vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit.
➔ Bernd Fitzenberger et al. (2026): Aktuelle Ergebnisse aus dem IAB-Betriebspanel: Die wirtschaftliche Schwäche hinterlässt deutliche Spuren auf dem Ausbildungsmarkt. IAB-Kurzbericht, Nr. 13/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2026
Im Jahr 2025 ist die Übernahmequote von Auszubildenden auf 75 Prozent gesunken, nachdem sie 2024 mit 79 Prozent ein Rekordhoch erreicht hat.
Der Anteil unbesetzter Ausbildungsplätze ist auf 30 Prozent zurückgegangen und fällt damit fünf Prozentpunkte geringer aus als in den beiden Vorjahren, bewegt sich jedoch weiterhin auf einem hohem Niveau.
Gleichzeitig ist das betriebliche Ausbildungsplatzangebot geschrumpft.
Diese Veränderungen spiegeln auch die anhaltende wirtschaftliche Schwäche Deutschlands wider.
Die besten Übernahmechancen hatten Auszubildende in den Bereichen Bergbau, Energie- und Wasserversorgung, Abfall, im Bereich Finanz- und Versicherungswesen sowie im Bereich der öffentlichen Verwaltung: 2025 wurden rund 90 Prozent der Auszubildenden weiter beschäftigt. Die Übernahmequote in der Land- und Forstwirtschaft liegt nur bei 44 Prozent und bildet mit dem Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen mit 52 Prozent das Schlusslicht bei den Ausbildungsübernahmen. Im verarbeitenden Gewerbe wurden 2025 77 Prozent aller Auszubildenden übernommen, jedoch ist die Übernahmequote im Vergleich zu 2024 um fünf Prozentpunkte gesunken.
Auch die Nichtbesetzungsquote blieb im verarbeitenden Gewerbe mit 29 Prozent weiterhin hoch. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahr fiel hier allerdings stärker aus als für alle Betriebe insgesamt. Die erneut mit Abstand höchste Nichtbesetzungsquote mit 49 Prozent wies das Baugewerbe auf.
Die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe ist zuletzt leicht gesunken: 55 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe und 29 Prozent aller Betriebe bildeten 2025 aus. Hier spielt auch die stagnierende und unsichere wirtschaftliche Lage eine Rolle.
„Ungünstige oder unsichere Geschäftserwartungen führen zu etwas größerer Zurückhaltung bei der Übernahme der Auszubildenden oder dem Abschluss neuer Ausbildungsverträge. Das ist insbesondere für das verarbeitende Gewerbe zu beobachten“, wir Ute Leber vom IAB zitiert.
Die Daten, die in der IAB-Studie verwendet werden, stammen auf dem IAB-Betriebspanel, einer repräsentativen jährlichen Wiederholungsbefragung von rund 15.000 Betrieben aller Betriebsgrößen und Branchen.
Und der längerfristige Blick zurück auf ein „Erfolgsmodell“
Wenn man nicht nur in der aktuellen Entwicklung stecken bleiben möchte, dann lohnt der Blick in die Vergangenheit – und in die beiden anderen Länder Österreich und Schweiz, in denen es auch duale Berufsausbildungen gibt.
Die duale Berufsausbildung in Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt international als Erfolgsmodell. Ein aktualisierter Bericht des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) und 3s Research & Consulting in Österreich sowie dem Schweizerischen Observatorium für die Berufsbildung OBS EHB an der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung EHB zeigt nun:
Trotz vieler Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die Entwicklungen in den drei Ländern deutlich.
| So ist in Deutschland die Zahl der Auszubildenden in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich stärker zurückgegangen als in Österreich und der Schweiz. 2024 lag sie in Deutschland um 22,1 Prozentpunkte unter dem Wert von 2004. In Österreich fiel der Rückgang etwa halb so stark aus, während die Schweiz im selben Zeitraum einen leichten Anstieg um fünf Prozentpunkte verzeichnete. Auch der Anteil eines Altersjahrgangs, der eine duale Ausbildung beginnt, ist in Deutschland gesunken und lag 2024 bei 52,9 Prozent. In Österreich betrug die Quote 33,6 Prozent, in der Schweiz 75,6 Prozent. |
Wie kann man diese unterschiedlichen Entwicklungen erklären? Das BIBB berichtet dazu:
➔ Die Unterschiede hängen unter anderem mit der demografischen Entwicklung zusammen. Während die Zahl der 15-Jährigen in Deutschland im betrachteten Zeitraum um 19,4 Prozentpunkte zurückging, fiel der Rückgang in Österreich mit 9,8 Prozentpunkten moderater aus. In der Schweiz stieg die Zahl der 15-Jährigen dagegen um 3,6 Prozentpunkte.
➔ Hinzu kommen Unterschiede in den Bildungssystemen: In Deutschland münden viele Jugendliche ohne Ausbildungsplatz zunächst in das „Übergangssystem“ ein. Österreich dagegen verfügt über eine stärker ausgebaute rein schulische Berufsbildung, während die Schweiz durch besonders effiziente Übergänge von der Schule in die Ausbildung geprägt ist.
➔ Auch beim Frauenanteil zeigen sich deutliche Unterschiede. In Deutschland sank der Anteil der Frauen unter den Ausbildungsanfängerinnen und -anfängern zwischen 2004 und 2024 um 5,3 Prozentpunkte auf 34,8 Prozent. In Österreich lag er 2024 bei 32,5 Prozent, in der Schweiz bei 41,3 Prozent. In beiden Nachbarländern blieb der Anteil im Vergleich zu 2004 weitgehend stabil. Der höhere Frauenanteil in der Schweiz ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass Sozial- und Gesundheitsberufe dort stärker in das duale Ausbildungssystem integriert sind. In Deutschland erfolgt die Ausbildung in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und Soziales überwiegend außerhalb des dualen Systems.
➔ Ein weiterer Befund betrifft die zunehmende Internationalisierung der dualen Ausbildung. Der Anteil ausländischer Auszubildender ist in allen drei Ländern zwischen 2010 und 2024 deutlich gestiegen. In Deutschland erhöhte er sich um 7,3 Prozentpunkte auf 12,4 Prozent, in Österreich um neun Prozentpunkte auf 16,2 Prozent und in der Schweiz um 8,4 Prozentpunkte auf 24,8 Prozent. Die stärkere Einmündung junger Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit in die duale Ausbildung leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Integration und kann zugleich helfen, Fachkräftelücken zu schließen.
Und hier kann man sich den Bericht herunterladen:
➔ Helmut Dornmayr et al. (2026): Indikatoren zur dualen Berufsbildung 2025. Deutschland – Österreich – Schweiz. Forschungsbericht, Bonn – Wien – Zollikofen, 2026
Der Forschungsbericht ist eine Aktualisierung des ersten Berichts, der im Jahr 2025 veröffentlicht wurde:
➔ Helmut Dornmayr et al. (2025): Indikatoren zur dualen Berufsbildung 2024. Deutschland – Österreich – Schweiz. Forschungsbericht, Bonn – Wien – Zollikofen, 2025