Schritt für Schritt: Modularer Ansatz zum Erwerb eines Berufsabschlusses im Rahmen des Kölner Bildungsmodells

Es ist kein Geheimnis: Wer keine Berufsausbildung hat, hat auf dem deutschen Arbeitsmarkt schlechtere Chancen auf eine nachhaltige Beschäftigung. Eine klassische Ausbildung kann aber insbesondere für Menschen mit schwierigen Ausgangsvoraussetzungen eine große Hürde darstellen. Ein möglicher Problemlösungsansatz liegt daher in einer Qualifizierung in erreichbaren Etappen: »Schritt für Schritt« statt »Ganz oder gar nicht«.

Was ist das Besondere am Kölner Bildungsmodell?

Das Kölner Bildungsmodell verfolgt ein solches Konzept, um den Weg zum Berufsabschluss zu ebnen. Der Weg wird hierfür in mehrere »Etappen« beziehungsweise Teilqualifizierungsbausteine aufgeteilt. Jeder Baustein vermittelt konkrete berufliche Kompetenzen, die sowohl in Werkstätten und Unterrichtsräumen als auch in Betrieben erworben werden.

Nach Möglichkeit wird jeder Baustein mit einer Kompetenzfeststellung sowie einem IHK- oder HWK-Zertifikat abgeschlossen. Somit werden Erfolge und erworbene Kompetenzen sichtbar und können auch für Bewerbungen genutzt werden. Gleichzeitig bleiben die einzelnen Bausteine auf das übergeordnete Ziel des Berufsabschlusses ausgerichtet. Ergänzend unterstützt ein Coaching die Teilnehmenden bei beruflichen und persönlichen Herausforderungen.

Wie funktioniert das Programm konkret?

Zu Beginn werden individuelle Potenziale und berufliche Perspektiven herausgearbeitet. Die anschließende Qualifizierung erfolgt praxisnah und modular. Je nach Ausbildungsberuf umfasst sie vier bis acht Bausteine, die jeweils zwischen drei und zwölf Monaten dauern. Nach jedem Baustein gibt es unterschiedliche Möglichkeiten für die Teilnehmenden: Die Qualifizierung fortsetzen, pausieren oder mit den erworbenen zertifizierten Qualifikationen in Beschäftigung wechseln.

Hinsichtlich beruflicher Perspektiven bietet das »KöBi« eine breite Auswahl an Möglichkeiten. Die Diakonie Michaelshoven Arbeit und Qualifizierung gGmbH bietet im Rahmen des Kölner Bildungsmodells beispielsweise Qualifizierungen zur/zum Fachlagerist:in, Verkäufer:in in Teilzeit, Maschinen- und Anlagenführer:in sowie zur/zum Kauffrau/Kaufmann für Büromanagement an.

Erfolgreich qualifizieren: Erfolgsfaktoren und Perspektiven

Die individuellen Erfolgsgeschichten des »KöBi« sowie insbesondere die Evaluation des Modells aus dem Jahr 2018 (kurzer Bericht und langer Bericht) zeigen, dass das Kölner Bildungsmodell »in der Lage ist, Personen mit schwierigen Biographien, geringer Qualifizierung und hohem Abbruchrisiko mit einzelnen Qualifizierungsmodulen und teilweise sogar bis zum Berufsabschluss zu qualifizieren und in den Arbeitsmarkt zu integrieren« (Evaluation des Kölner Bildungsmodells, S. 86).

Damit wird deutlich, dass auch Menschen mit schwierigeren Ausgangsvoraussetzungen Schritt für Schritt bis zu einem anerkannten Berufsabschluss geführt werden können. Voraussetzung dafür sind effektive Kooperationen zwischen Jobcentern und Agenturen für Arbeit, Trägern, Kammern und Betrieben sowie ein regionaler Arbeitsmarkt, der entsprechende Beschäftigungsperspektiven bietet.