Wenn über Langzeitarbeitslose gesprochen wird, geschieht dies häufig nicht aus einem positiven Blickwinkel. Wer in Deutschland länger als 12 Monate arbeitslos gemeldet ist und damit als langzeitarbeitslos gilt, ist mit negativen Vorurteilen konfrontiert.
Gerade in der Debatte um das frühere Bürgergeld beziehungsweise die neue Grundsicherung wird über Langzeitarbeitslose, teils emotional aufgeladen, diskutiert. Langzeitarbeitslose selbst kommen dabei selten zu Wort. Stattdessen prägen einzelne öffentlichkeitswirksame Fälle das Bild einer heterogenen Gruppe. Die mediale Aufmerksamkeit fokussiert sich dann auf ein skandalöses Beispiel und gleichzeitig bleiben viele andere von Langzeitarbeitslosigkeit betroffene Personen unsichtbar.
Doch es gibt Gegenwind. Von Langzeitarbeitslosigkeit Betroffene organisieren sich und erheben ihre Stimme, um sich selbst in die öffentliche Debatte einzubringen. Ein Beispiel dafür ist die IGELA Interessengemeinschaft Langzeitarbeitsloser.
Was bedeutet es, langzeitarbeitslos zu sein?
Wer verstehen will, was Langzeitarbeitslosigkeit bedeutet, sollte neben Arbeitsmarktstatistiken die fragen, die es am meisten betrifft: Die Langzeitarbeitslosen selbst.
Einen Einblick in die Lebensrealitäten langzeitarbeitsloser Menschen gibt beispielsweise die EFAS-Studie »Arbeit lohnt sich immer?!«. Wie unterschiedlich die Erfahrungen mit und die Wege in Langzeitarbeitslosigkeit sein können, zeigen auch die individuellen Geschichten der IGELA-Mitglieder.
Es geht dabei nicht allein um die Frage, ob jemand einen Arbeitsplatz hat. Es geht auch darum, welche Möglichkeiten Menschen zur gesellschaftlichen Teilhabe und Mitgestaltung haben. So stellt die IGELA fest: »Wir sind erwerbslos…aber nicht untätig. Ohne Job…aber aktiv. […]« – und stellt sich damit bewusst gegen negative Stereotypen.
Nicht über langzeitarbeitslose Menschen, sondern mit ihnen
In der IGELA organisieren sich langzeitarbeitslose Menschen, um ihre Interessen gemeinsam zu vertreten und ihre Perspektiven und Erfahrungen in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Sie wollen nicht, dass nur über sie gesprochen wird, sondern selbst in Diskussionen um Arbeitslosigkeit, Armut und Sozialpolitik zu Wort kommen und gleichzeitig Vorurteile entkräften und Zukunft gestalten.
Die IGELA versteht sich dabei nicht als »meckernde Opposition, sondern [als] konstruktiver und kompetenter Partner bei der Entwicklung wirklich sinnvoller und für die Betroffenen auskömmlicher Regelungen und Gesetze.«
Austausch, Diskussion und politische Teilhabe
Sitzungen der IGELA, bei denen sich die Mitglieder austauschen, Aktivitäten planen und aktuelle Themen besprechen, finden circa alle zwei Monate statt. Es finden zudem Workshops zu sozial- und arbeitsmarktpolitischen Fragestellungen statt. Darüber hinaus beteiligt sich die Gruppe an politischen Diskussionen, um so auf die Situation langzeitarbeitsloser Menschen aufmerksam zu machen.
Von der Zukunftswerkstatt zur selbstorganisierten Interessenvertretung
Ausgangspunkt für die Entstehung der IGELA war die Zukunftswerkstatt »Die fragen, die es am meisten betrifft«, an der sich im September 2021 erwerbslose Menschen beteiligten. Aus der Veranstaltung heraus entstand eine Interessengemeinschaft, die Ansprechpartner für Medien, Jobcenter, Politik und Träger von Beschäftigungs- und Bildungsangeboten sein möchte.
Die IGELA ist selbstorganisiert. Ihre Themen und Forderungen werden von Menschen formuliert, die selbst von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind. Die Gruppe wird von Claudia Wanner und Guido Heinemann vertreten. Unterstützt wird sie zudem von Holger Fuhrmann, Referent für Arbeitslosenhilfe und Armut bei der Diakonie Württemberg.
Weitere Informationen (unter anderem auch das Grundsatzprogramm) und Kontaktmöglichkeiten zur IGELA finden sich auf ihrer Webseite sowie auf ihrem Instagram-Kanal. Dort sowie zukünftig auch hier auf O-Ton Arbeitsmarkt werden Neuigkeiten zur IGELA veröffentlicht.