IAB-Arbeitsmarktbarometer: Es geht wieder etwas aufwärts. Aber: Die Beschäftigungsperspektiven schrumpfen (weiter)

Fast jeder wünscht sich positive Nachrichten. Dazu scheint das hier zu passen: Das IAB-Arbeitsmarktbarometer legt im September leicht zu. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) steigt um 0,1 Punkte auf 99,6 Punkte. Die Komponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit in Deutschland hat mittlerweile den negativen Bereich fast verlassen: Sie steigt um 0,4 Punkte auf 99,9 Punkte im September.

Das hört sich erst einmal gut an. Aber schauen wir genauer hin.

Das IAB berichtet über die Entwicklung des Arbeitsmarktbarometers: »Der Anstieg ist allein auf eine Verbesserung der Komponente zur Vorhersage der Arbeitslosigkeit zurückzuführen, die Beschäftigungsperspektive ist dagegen negativ.«

Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB, wird mit dieser Einschätzung zitiert:

„Die Aussichten für die Beschäftigung sind schwächer als für die Arbeitslosigkeit: Der Arbeitsmarkt schrumpft.“

Das sei eine Folge des demographischen Rückgangs beim Arbeitskräftepotenzial. Die Konjunktur habe sich dagegen zwar gefestigt, aber belastend wirken nach wie vor die hohe Unsicherheit und Strukturprobleme aufgrund der tiefgreifenden Transformation vor allem in der Industrie.

Interessant in diesem Zusammenhang ist die getrennte Betrachtung der beiden Komponenten, aus denen sich das Arbeitsmarktbarometer zusammensetzt:

Was ist dieses IAB-Arbeitsmarktbarometer und was misst es (nicht)?

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist ein seit November 2008 bestehender Frühindikator, der auf einer monatlichen Umfrage der Bundesagentur für Arbeit unter allen lokalen Arbeitsagenturen basiert.

➔ Während die Komponente A des IAB-Arbeitsmarktbarometers die Entwicklung der saisonbereinigten Arbeitslosenzahlen für die nächsten drei Monate prognostiziert, dient Komponente B der Vorhersage der Beschäftigungsentwicklung. Der Mittelwert aus diesen beiden Komponenten „Arbeitslosigkeit“ und „Beschäftigung“ bildet den Gesamtwert der beiden Barometer. Dieser Indikator gibt damit einen Ausblick auf die Gesamtentwicklung des Arbeitsmarkts. Da das Saisonbereinigungsverfahren laufend aus den Entwicklungen der Vergangenheit lernt, kann es zu nachträglichen Revisionen kommen. Die Skala der Barometer reicht von 90 (sehr schlechte Entwicklung) bis 110 (sehr gute Entwicklung).

➔ Und wie kommt man zu den Einschätzungen die Arbeitslosigkeits- und Beschäftigungsentwicklung betreffend? Es handelt sich um Befragungsergebnisse aus allen lokalen Arbeitsagenturen. Deren Vertreter geben eine Einschätzung zur Entwicklung in den kommenden drei Monaten sowohl hinsichtlich der Arbeitslosigkeit wie auch der Beschäftigung ab. Daraus werden dann die Indexwerte abgeleitet. Es handelt sich also explizit nicht um die tatsächliche Arbeitslosigkeits- und Beschäftigungsentwicklung, die kann man mit Zeitverzögerung den amtlichen Arbeitsmarktdaten entnehmen.

Für die Interpretation des Arbeitsmarktbarometers sind also weniger einzelne Datenpunkte relevant, sondern die Bewegung der einzelnen Komponenten und des daraus gebildeten Barometerwertes und die Bewegungsrichtung. Also geht es rauf oder runter oder stagniert die Entwicklung.

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer nutzt die Einschätzungen der lokalen Arbeitsagenturen als Expertenurteil, weil diese vor Ort einen sehr frühen und praxisnahen Einblick in die regionalen Wirtschafts- und Arbeitsmarkttrends haben.

Eine methodische und konzeptionelle Begründung für diesen Ansatz kann auf diese Aspekte abstellen:

➞ Dezentrales Expertenwissen (und daraus abgeleitet eine mögliche Früherkennung von Trendwenden): Die Mitarbeiter in den Agenturen für Arbeit stehen in täglichem Kontakt mit Unternehmen, Betrieben und Arbeitsuchenden vor Ort. Sie spüren Stimmungen, geplante Einstellungen, drohende Entlassungen oder konjunkturelle Eintrübungen oft Monate bevor sich dies in den amtlichen, retrospektiven Statistiken (die naturgemäß einen zeitlichen Verzug aufweisen) niederschlägt.

➞ Flächendeckende und standardisierte Erhebung: Da alle lokalen Arbeitsagenturen in Deutschland monatlich standardisiert befragt werden, ergibt sich ein Stimmungsbild aus allen Regionen und Branchen ein. Regionale Besonderheiten (wie das Einbrechen einer bestimmten Industrie in einer Region oder Aufschwünge in einer anderen) werden so zeitnah erfasst und aggregiert.