Arbeiten und Lernen: Sprachförderung und Beschäftigung sinnvoll verbinden

Von Andrea Dahm

Für Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte ist der Weg in den Arbeitsmarkt häufig mit besonderen Herausforderungen verbunden. Trotz bereits absolvierter Integrations- und Sprachkurse fehlen oft noch die sprachliche Sicherheit und praktische Erfahrung, die für eine nachhaltige Integration in Beschäftigung erforderlich sind.

Hier setzt das Projekt „Arbeiten und Lernen“ der renatec GmbH in Düsseldorf an. Das Angebot ergänzt Arbeitsgelegenheiten (AGH) nach § 16d SGB II um eine berufsbezogene Sprachförderung. Die Teilnehmenden arbeiten an drei Tagen pro Woche in verschiedenen Tätigkeitsfeldern und nehmen an zwei weiteren Tagen an Sprachförderangeboten teil, die aus Mitteln der „Kommunalen Beschäftigungsförderung“ finanziert werden. Dadurch werden praktische Arbeitserfahrungen und Sprachlernen systematisch miteinander verknüpft.

Das Projekt richtet sich an Menschen über 25 Jahre mit Flucht- oder Migrationsgeschichte, die mindestens das Sprachniveau A1 erreicht und die regulären Sprachförderangebote bereits ausgeschöpft haben. Dennoch reichen ihre Deutschkenntnisse häufig noch nicht aus, um sich erfolgreich in Ausbildung oder Beschäftigung zu integrieren. Besonders die mündliche Kommunikation im Arbeitsalltag stellt viele Teilnehmende vor Herausforderungen. Hinzu kommt, dass viele von ihnen auf ihrem bisherigen Lernweg Frustrationserfahrungen gemacht haben. Deshalb setzt das Projekt auf einen praxisnahen Ansatz, der Sprachförderung unmittelbar mit beruflicher Tätigkeit verbindet und die Teilnehmenden ermutigt, ihre Sprachkenntnisse in realen Arbeitssituationen anzuwenden und weiterzuentwickeln.

Die Umsetzung erfolgt in Einrichtungen der Diakonie Düsseldorf und der renatec. Dort werden die Teilnehmenden von Fachanleiter*innen eng begleitet, die sie in den praktischen Arbeitsprozessen unterstützen, Rückmeldungen geben und auch die soziale Integration im Arbeitsumfeld fördern. Ergänzend steht ein Sozialcoaching zur Verfügung, das die berufliche Orientierung begleitet, individuelle Entwicklungsprozesse unterstützt und bei Bedarf weitere Hilfen koordiniert.

Wie die Verbindung von Arbeiten und Lernen konkret aussieht, zeigt das Beispiel von Frau M.: Sie arbeitete an drei Tagen pro Woche im Bereich Hauswirtschaft in einer Senioreneinrichtung und besuchte an zwei Tagen die Sprachförderung. Die dort erlernten Begriffe und Redewendungen konnte sie unmittelbar im Arbeitsalltag anwenden. Durch die Unterstützung im Projekt und die positiven Rückmeldungen in ihrer Einsatzstelle gewann sie zunehmend sprachliche Sicherheit und Selbstvertrauen. Die Zusammenarbeit verlief so erfolgreich, dass sie anschließend in eine Festanstellung übernommen wurde.

Ein weiteres Beispiel zeigt den Übergang in weiterführende Qualifizierungswege: Einzelne Teilnehmende nutzen die im Projekt gewonnenen Erfahrungen als Grundlage, um anschließend schulische Abschlüsse nachzuholen, etwa im Rahmen von Angeboten wie „Chance 18+“. Damit wird deutlich, dass das Projekt nicht nur auf direkte Arbeitsintegration zielt, sondern auch individuelle Bildungswege eröffnet.

Ziel des Projekts ist es, die Chancen auf eine Integration in den allgemeinen Arbeits- und Ausbildungsmarkt nachhaltig zu verbessern. Die Erfahrungen der Teilnehmenden zeigen, dass die Verbindung von praktischer Beschäftigung, Sprachförderung und individueller Begleitung ein wichtiger Baustein für gesellschaftliche und berufliche Teilhabe sein kann.

➔ O-Töne von Teilnehmenden:

➔ Projektwebsite „Arbeiten und Lernen“ mit Ergebnissen aus den Kreativworkshops:
https://www.renatec.de/arbeiten-und-lernen/

➔ Zwei Beispiele für erfolgreiche Integration in Arbeit – Frau M. und Herr J.:
https://www.facebook.com/share/r/1BWQx3fBki/

(09.06.2026)