Die Kaufhäuser der Diakonie (KadeDI) sind mit ihrem gut sortierten Angebot beliebt. Doch sie stehen nicht nur für günstige Einkaufsmöglichkeiten, sondern für berufliche Biografien und Teilhabe. Silvia Kaiser hat so in Rheinhausen einen festen Arbeitsplatz gefunden, der ihre Existenz sichert – und den sie gerne macht.
Von Silke Vogten
Silvia Kaiser ist seit März 2025 als Reinigungskraft angestellt und sorgt dafür, dass die rund 1.200 Quadratmeter der Räumlichkeiten eines ehemaligen Autohauses stets gepflegt sind. Dafür ist sie täglich vier Stunden von 8 Uhr bis 12 Uhr im Einsatz. „Außer freitags – da habe ich schon um 11.30 Uhr Feierabend!“, sagt sie lachend. „Angefangen habe ich hier 2020 mit einem Zwei-Euro-Job, einer Arbeitsgelegenheit. Da habe ich die eingehenden Spenden vor dem Verkauf sortiert und geprüft“, erzählt Silvia Kaiser. „Das hat mir schon Spaß gemacht. Man lernt schnell, was in den Müll geht und was noch gut brauchbar ist. Und die Arbeitskolleginnen, die Arbeitskollegen und die Stimmung hier haben mir von Anfang an gefallen. Sonst wäre ich nicht geblieben.“
Die gebürtige Moerserin blickt auf eine bewegte Biografie zurück. Eine Scheidung liegt hinter ihr, ebenso eine Krebserkrankung, die sie seit mehr als fünf Jahren überwunden hat. Ihre Kraft teilt sich Silvia Kaiser sehr bewusst ein. Eine Ausbildung hat sie nicht. Zuvor arbeitete sie für eine Zeitarbeitsfirma, war dann mehr als zehn Jahre als Reinigungskraft in einem Duisburger Krankenhaus beschäftigt – bis die Klinik verkauft wurde und sie gehen musste. „Das war 2016. Ich habe eine kleine Abfindung bekommen, aber ich hatte keine Arbeit mehr. Das war schwer – und dann kam 2017 auch noch die Brustkrebsdiagnose mit OP, Strahlen- und Chemotherapie. Seitdem bin ich schwerbehindert und habe mich damals über die Möglichkeit gefreut, im Diakoniewerk eine Arbeitsgelegenheit zu bekommen. Und dann hat Frau Schmiedchen gesagt, dass sie mich gerne behalten würde.“
Gabriele Schmiedchen, die langjährige Leiterin des KadeDI Rheinhausen, freut sich über Mitarbeitende wie Silvia Kaiser. „Jemanden, der so selbstständig und verlässlich ist und gerne arbeiten möchte, gilt es doch zu fördern! Dafür sind wir in der Diakonie da!“ So folgte auf die zeitlich begrenzte Arbeitsgelegenheit zunächst eine Maßnahme nach dem Teilhabechancengesetz (§ 16i) – und schließlich im letzten Jahr die Festanstellung. „Da Frau Kaiser eine Schwerbehinderung hat, konnten wir hier mit dem Integrationsfachdienst (IFD) kooperieren und bekamen eine Förderung“, berichtet Schmiedchen. Das beinhaltete auch Arbeitsmittel: So wurden für Silvia Kaiser zur Erleichterung ihrer Arbeit unter anderem eine Bodenreinigungsmaschine sowie ein Nass- und Trockensauger angeschafft. Alles Geräte, die natürlich auch die anderen Mitarbeitenden nutzen dürfen. „Zudem ist Frau Kaiser der beste Beweis dafür, dass Menschen mit einer Behinderung nicht häufiger krank sind oder größere Ausfälle haben“, sagt Gabriele Schmiedchen. „Im Gegenteil: Sie zählt zu unseren konstantesten Mitarbeiterinnen.“
Aktuell arbeiten rund 50 Menschen aus verschiedenen Maßnahmen in den unterschiedlichen Bereichen des KadeDI Rheinhausen, darunter acht Stammkräfte, aber auch Menschen aus Maßnahmen nach § 16i, aus AGH-Maßnahmen, zwei Auszubildende sowie Jugendliche in berufsvorbereitenden Maßnahmen. Alle werden koordiniert und auch qualifiziert – das benötigt Anleitung. So gibt es hier das Angebot der MOVE-Fortbildungen, also Seminare zur motivierenden Kurzintervention (MOVE), die Fachkräfte darin schulen, Menschen empathisch und effektiv zu motivieren. Dazu meint Schmiedchen: „Wir achten sehr darauf, dass unsere Anleitenden die passenden Fortbildungen haben. Denn die Stammkräfte werden nicht nur eingestellt, um Umsatz zu erwirtschaften, sondern um die Menschen hier didaktisch und pädagogisch mit hoher Qualität anzuleiten und weiterzubringen. Genau das zeigt Wirkung!“
So war es auch bei Silvia Kaiser. Sie ist froh, Teil des KadeDI zu sein. „Nach meiner morgendlichen Schicht gehe ich nach Hause, ich habe es nicht weit bis zu meiner Wohnung. Dann mache ich mir etwas zu essen, ruhe mich aus und kümmere mich um eine wilde Katze. Ich habe zwei erwachsene Töchter und führe ein sehr ruhiges Leben. Ich bin zufrieden – und froh, nicht mehr zur Arbeitsagentur zu müssen.“

Von der AGH-Mitarbeiterin zur Festangestellten: Silvia Kaiser (links) gehört schon viele Jahre zum Kaufhaus-Team von Leiterin Gabriele Schmiedchen.
(29.05.2026)
Quelle: Text (leicht gekürzt) aus: Geschäftsbericht 2025, Diakoniewerk Duisburg.