Studien

… und andere Materialien

Greta Schabram et al. (2026): Wachsende Armut, schrumpfende Sicherheit. Paritätischer Armutsbericht, Berlin: Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband, Juni 2026

Dirk Heckmann et al. (2026): Künstliche Intelligenz in der beruflichen Bildung. Wissenschaftliches Rechtsgutachten mit Praxisempfehlungen, Braunschweig: Ins,tut für Rechtswissenscha7en der TU Braunschweig, April 2026
»Das Gutachten erfasst die Tragweite von KI in Prüfungsverfahren der beruflichen Bildung und beschreibt hierzu zunächst die rechtlichen Grundfragen und Rahmenbedingungen der Prüfungsgestaltung im Kontext des KI-Einsatzes, um in einem weiteren Schritt dezidiert bestehende rechtliche Spielräume und notwendige regulatorische Anpassungsbedarfe zu identifizieren. Auf dieser Grundlage werden Wege aufgezeigt, wie moderne Prüfungsformate in der beruflichen Bildung rechtssicher implementiert werden können.«

Maximilian Blömer (2026): Mikrosimulation von Reformoptionen steuerfinanzierter Sozialleistungen. Forschungsbericht 681, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Mai 2026
»Im September 2025 wurde eine Kommission zur Sozialstaatsreform beauftragt, einen Bericht vorzulegen, wie sozialstaatliche Strukturen im Sinne der Bürgerinnen und Bürger und der Verwaltung unter Bewahrung des sozialen Schutzniveaus modernisiert und entbürokratisiert werden können. Um die Beratungen innerhalb der Kommission zu unterstützen, wurden die Effekte von drei grundlegenden Reformansätzen mittels verhaltensbasierter Mikrosimulation vorausblickend vergleichend bewertet: Das Aufgehen von Wohngeld und Kinderzuschlag in einer reformierten Grundsicherung, die Zusammenlegung von Wohngeld und Kinderzuschlag zu einer neuen vorgelagerten Leistung sowie die Einführung eines pauschalen Erwerbsbonus in das Steuersystem, der vorgelagerte bedarfsgeprüfte Leistungen ersetzt. Dieser Forschungsbericht dokumentiert die Vorgehensweise und die Ergebnisse der durchgeführten Berechnungen.«

Frank Sowa et al. (Hrsg.) (2026): Fragile Behausungen. Prekäres Wohnen und Wohnungslosigkeit in Zeiten multipler Krisen, Weinheim: Beltz Juventa, Mai 2026 (Open Access)
»Multiple Krisen, allen voran der Mangel an leistbarem Wohnraum in urbanen Settings, die Inflation mit steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten bis hin zur COVID-19-Pandemie, dem Ukrainekrieg und dem Klimawandel, führen dazu, dass sich immer mehr Menschen in fragilen Behausungen befinden. Fragile Behausungen als gesellschaftlich hergestelltes Phänomen umfassen u. a. prekäre Wohnverhältnisse, informelle Unterstützungsnetzwerke und Obdach- und Wohnungslosigkeit. Ihre Fragilität verweist auf materielle, soziale, affektive, psychische, politische, ökonomische und figurative Praktiken, Prozesse und Strukturen.«

Holger Schäfer (2026): Plattformarbeit: Neue Hürden für Selbstständige?. IW-Kurzbericht, Nr. 37/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2026
»Im Jahr 2024 wurde die Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates zur „Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Plattformarbeit“ verabschiedet. Die zweijährige Frist zur Umsetzung in deutsches Recht läuft in diesem Jahr aus – das heißt, der Gesetzgeber muss aktiv werden. Ziel der Richtlinie ist unter anderem, die soziale Sicherung der Plattformbeschäftigten zu gewährleisten.«

Leander Andres et al. (2026): Arbeitsmarkt paradox: Drei Millionen Arbeitslose – und trotzdem Fachkräftemangel?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2026
»Der deutsche Arbeitsmarkt befindet sich im Umbruch: Das verfügbare Arbeitskräftepotenzial schrumpft langfristig infolge des demografischen Wandels, während gleichzeitig Technologien und Strukturwandel die Anforderungen an Kompetenzprofile verändern. Die Kombination aus strukturellen Engpässen, veränderten Beschäftigungsformen und technologischen Anforderungen wirft zentrale Fragen nach Veränderungen in den politischen Rahmenbedingungen auf.«

Martin Brussig und Olaf Struck (Hrsg.) (2026): Arbeit – Macht – Würde. Machtasymmetrien und Würdeverletzungen in Arbeitskontexten, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, Mai 2026
»Die DIFIS-Studie dokumentiert ausgewählte Beiträge der Jahrestagung des Arbeitskreises Sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktforschung (SAMF) e.V., die am 5. und 6. Juni 2025 in Berlin stattfand. Sie stand unter dem Titel „Arbeit – Macht – Würde. Machtasymmetrien und Würdeverletzungen in Arbeitskontexten.“ Leitmotiv für die Tagung war, dass Erwerbsarbeit in kapitalistischen Gesellschaften häufig von Machtasymmetrien und kurzfristiger ökonomischer Gewinnmaximierung geprägt ist. Hierbei können Verletzungen von Würde durch mangelnde Anerkennung, unzureichendes Einkommen, ausufernde Arbeitszeiten oder fehlenden Arbeitsschutz auftreten. Anstand und Aufmerksamkeit sowie Sozial- und Arbeitsrechte können dem entgegenwirken. Zudem kann eine Knappheit von Arbeitskräften zu einer Stärkung von Macht und zu größerer Anerkennung bei Arbeitnehmergruppen beitragen. Auf der Tagung wurden Ursachen und Folgen von Machtasymmetrien, Würdeverletzungen und deren Auswirkungen auf soziale Teilhabe diskutiert.«

Susanne Dern und Maria Wersig (2026): Vielfalt gestalten. Diversitätssensible Leistungsgewährung im Jobcenter zwischen Recht, Haltung und Organisationskultur, Duisburg/Bremen: DIFIS – Deutsches Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung, März 2026
»Jobcenter sind Orte, an denen sich die gesellschaftliche Vielfalt Deutschlands täglich zeigt – und an denen sich entscheidet, ob Soziale Rechte chancengleich umgesetzt werden. Das Forschungsprojekt Diver§So ging der Frage nach, wie Sozialverwaltungen Rechtsanwendung und Effizienz mit Anerkennung und Respekt gegenüber individuellen Lebenslagen verbinden können. Ausgehend von rechtlichen Grundlagen und empirischen Befunden des Forschungsprojekts, das mit Mitarbeitenden von Jobcentern in drei Bundesländern durchgeführt wurde, wurden praxisorientierte Impulse für Sozialverwaltungen entwickelt, um Diversität systematisch in Organisationskultur, Personalentwicklung und Leistungsgestaltung zu verankern. Diversitätssensible Leistungsgewährung bedeutet: rechtssicher handeln, individuelle Lebenslagen ernst nehmen und Diskriminierungsrisiken systematisch abbauen.«

Stefanie Seele und Henrik Engel (2026): Deutscher Arbeitsmarkt im Leerlauf. IW-Kurzbericht, Nr. 35/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2026
»Seit 2023 verliert die Fluktuation am Arbeitsmarkt an Tempo. Weil Betriebe weniger Stellen besetzen, kündigen weniger Beschäftigte ihre laufenden Verträge, um neue Jobs anzutreten. Die geringe Dynamik erschwert Arbeitslosen die Rückkehr in Arbeit und jungen Menschen den Einstieg in das Berufsleben.«

BA (2026): Arbeitsmarktsituation in Pflegeberufen, Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit (BA), Mai 2026

Jutta Rump und Anna-Maria Ogermann (2026): Umgang mit und Entwicklung von Fehlzeiten in Unternehmen. Eine empirische Untersuchung, Ludwigshafen: Institut für Beschäftigung und Employability (IBE), April 2026
»Die vorliegende empirische Untersuchung mit über 1.000 Unternehmen beleuchtet die aktuelle Entwicklung von Fehlzeiten, analysiert zentrale Treiber und zeigt, wie Unternehmen mit diesem vielschichtigen Thema umgehen. Darüber hinaus wird deutlich, unter welchen Bedingungen Fehlzeiten als steuerbar wahrgenommen werden und welche Maßnahmen Unternehmen nutzen, um gezielt Einfluss zu nehmen.«

Magdalena Köppen (2026): Zwischen Anspruch und Realität: die Umsetzung des Schlichtungsverfahrens im Jobcenter. IAB-Forschungsbericht, Nr.6/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2026

Sekou Keita und Alexander Kubis (2026): Deutschkenntnisse und Arbeitsmarktintegration: Die Hälfte der Betriebe fordert bei Einstellungen mindestens ein B2-Sprachniveau. IAB-Kurzbericht, Nr. 7/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2026

Mariella Falkenhain und Sarah Bernhard (2026): Der Job-Turbo für Geflüchtete aus Sicht von Vermittlungsfachkräften: eine kritische Bilanz, in: Wirtschaftsdienst, Heft 4/2026

Nina Weimann-Sandig und Mathias Duderstadt (2026): Zeitarbeit in Kitas im Spannungsfeld von Mangel und Qualität. Empirische Einblicke in Organisation, Motivation und Qualitätssicherung pädagogischer Zeitarbeit. Forschungsförderung Working Paper Nr. 405, Düsseldorf: Hand-Böckler-Stiftung, April 2026

Jörg Heining et al. (2026): Regionale Arbeitsmarktprognosen 2026: Konjunkturschwäche belastet die regionalen Arbeitsmärkte weiterhin. IAB-Kurzbericht, Nr. 6/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2026
»Trotz der etwas besseren konjunkturellen Aussichten bleibt die Entwicklung der regionalen Arbeitsmärkte schwach. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung sinkt 2026 voraussichtlich in zehn von 16 Bundesländern. Die Arbeitslosigkeit nimmt in den meisten Bundesländern weiter zu.«
➔ dazu: Christian Keitel (2026): IAB-Regionalprognose 2026: „Ein flächendeckender Beschäftigungsaufbau ist nicht in Sicht“, in: IAB-Forum, 10.04.2026

Kseniia Gatskova und Sekou Keita (2026): Potenzielle Auswirkungen des Rechtskreiswechsels auf geflüchtete Frauen aus der Ukraine, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, März 2026
»Die Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter entwickelt sich positiv, bleibt aber besonders für Frauen mit Sorgeverantwortung voraussetzungsreich. Seit dem 1. April 2025 gilt für neu eingereiste Geflüchtete aus der Ukraine das Asylbewerberleistungsgesetz. Mit dem Auslaufen des temporären Schutzstatus im März 2027 könnte dieser Rechtskreiswechsel breiter wirksam werden. Kürzungen, geänderte Förderstrukturen und wachsende Unsicherheit erschweren eine nachhaltige Integration. Entscheidend bleiben gezielte Förderung, Planungssicherheit und soziale Teilhabe.«

Bundesagentur für Arbeit (2026): Kohortenbasierte Verbleibsanalyse syrischer Staatsangehöriger, Nürnberg, März 2026
»Der Bericht beschreibt methodische Grundlagen, Konzeption und Umsetzung der kohortenbasierten Verbleibsanalyse syrischer Staatsangehörigen auf Basis der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Ziel ist die konsistente Beobachtung der Integrationsverläufe von Personen mit syrischer Staatsangehörigkeit ab deren erstem Zugang in die Grundsicherungsstatistik der BA über mehrere Jahre.«

Virginia Sondergeld et al. (2026): Transformationspotenzial durch KI betrifft ebenso Männer wie Frauen auf dem Arbeitsmarkt, in: DIW Wochenbericht, Nr. 14+15/2026

Holger Schäfer und Oliver Stettes (2026): Längere Arbeitszeiten. IW-Report, Nr. 13/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2026

Martin Hasselhorn (2026): Erwerbsbereitschaft im frühen Ruhestand. Ergebnisse der deutschen lidA-Studie, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2026
»Im vorliegenden Forschungsbericht wird das Erwerbspotenzial der Personen im frühen Ruhestand untersucht, also inwieweit sie weiterhin erwerbstätig sind oder grundsätzlich zur Erwerbstätigkeit bereit wären. Grundlage bildet die vierte Erhebungswelle der repräsentativen lidA-Studie (www.lida-studie.de, 2022/23) mit 8.884 Befragten, darunter 903 Personen im frühen Ruhestand, die meisten im Alter von 63 Jahren. Diese Daten ermöglichen erstmals eine differenzierte arbeitswissenschaftliche Analyse von Erwerbstätigkeit und Erwerbsbereitschaft in der Lebensphase zwischen Arbeitsleben und Regelaltersgrenze.«
➔ Bertelsmann Stiftung: Zentrale Ergebnisse zur Studie Erwerbsbereitschaft im frühen Ruhestand, März 2026

Initiative Faire Landarbeit (2026): Bericht 2025. Saisonarbeit in der Landwirtschaft, Frankfurt am Main: Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), März 2026

Hermann Gartner et al. (2026): Arbeitsmarktentwicklung 2026: Fiskalpolitischer Rückenwind trifft auf geopolitischen Gegenwind. IAB-Kurzbericht, Nr. 5/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2026
»Die deutsche Wirtschaft entwickelt sich seit drei Jahren schwach. Die Fiskalpakete werden die Konjunktur zwar beleben, mit dem Irankrieg sind allerdings neue geopolitische Risiken hinzugekommen. Der Arbeitsmarkt stabilisiert sich, insbesondere die Beschäftigungsentwicklung stößt aber an Grenzen. Der Kurzbericht gibt einen Ausblick auf die Entwicklungen im Jahr 2026.«
➔ dazu: Christiane Keitel (2026): IAB-Prognose 2026: „Die Konjunktur profitiert von fiskalischen Impulsen, bleibt aber durchwachsen“, in: IAB-Forum, 24.03.2026: »Nach mehreren Jahren wirtschaftlicher Schwäche zeichnet sich für 2026 wieder eine leichte konjunkturelle Belebung ab. Gleichzeitig bleibt das Umfeld angesichts geopolitischer Risiken unsicher. Welche Folgen das für den deutschen Arbeitsmarkt hat, erklärt Enzo Weber, Leiter des Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ am IAB, im Interview.«

Jurek Tiedemann et al. (2026): Jahresrückblick 2025: Schwacher Arbeitsmarkt – erste Impulse durch Sondervermögen?, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), März 2026
»Im Jahr 2025 konnten durchschnittlich über 369.500 offene Stellen für Qualifizierte rechnerisch nicht besetzt werden, was jeder dritten (33,3 Prozent) offenen Stelle entspricht. Damit ist die Fachkräftelücke gegenüber 2024 um fast ein Viertel (24,1 Prozent) gesunken. Für viele Unternehmen bleibt die Stellenbesetzung dennoch herausfordernd.«

Marcel Helbig et al. (2026): Wann soziale Ungleichheiten entstehen. Analyse sozialer Ungleichheitsmuster von der Geburt bis zum Studieneintritt. LIfBi Forschung kompakt, Bericht Nr. 7, Bamberg: Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi), März 2026
»Der vorliegende Bericht präsentiert die Kernergebnisse einer Studie, die erstmals umfassend analysiert, wie soziale Herkunft in Deutschland den gesamten Bildungsverlauf eines Menschenbeeinflusst – von der frühen Kindheit bis zum Übergang in Studium und Ausbildung. Die Analysezeigt, dass soziale Bildungsungleichheiten bei Kompetenzen sehr früh einsetzen und dann lange stabil bleiben. Bei Zertifikaten verstärken sie sich über sozial ungleiche Bewertungen durch Lehrkräfte und über sozial ungleich geprägte Bildungsverläufe. Die Studie erstellt dabei keine Momentaufnahme, sondern analysiert, wie sich frühentstehende Ungleichheiten langfristig entwickeln. Die Autoren identifizieren die Quellen der Ungleichheiten im Bildungsverlauf differenziert und liefern damit einen grundlegenden Beitrag zur Debatte, wie Bildung in Deutschland gerechter gestaltet werden kann.«

Jonas Hafner (2026): Variationen in der Verwaltungsorganisation der Jobcenter. Die Nutzung lokaler Handlungsspielräume im Rechtskreis Zweites Buch Sozialgesetzbuch, Wiesbaden: Springer Fachmedien, 2026
(➞ Dissertation Ruhr-Universität Bochum, 2025)
»Das vorliegende Open-Access-Buch widmet sich einer besonderen Behörde: den sogenannten gemeinsamen Einrichtungen, in denen die Bundesagentur für Arbeit und die Kommunen die Aufgaben des SGB II in einer gemeinsamen Organisation wahrnehmen. Es handelt sich somit um den im deutschen Bundesstaat seltenen Typus einer Mischverwaltung. Hieraus entsteht ein komplexes Steuerungsmodell, das trotz gewisser zentraler Vorgaben erhebliche lokale Handlungsspielräume eröffnet. Jonas Hafner untersucht die Aufbau- und Ablauforganisation von Jobcentern, mit Fokus auf das beschäftigungsorientierte Fallmanagement und die Arbeitgeberbetreuung. Ausgehend vom Soziologischen Neoinstitutionalismus und dem Situativen Ansatz wird der Frage nachgegangen, inwieweit sich die Verwaltungsorganisation der gemeinsamen Einrichtungen voneinander unterscheidet und welche Faktoren Variationen verursachen. Mit einem Mixed-Methods-Design, bestehend aus einer bundesweiten quantitativen Befragung sowie qualitativen Interviews mit Mitarbeitenden von Jobcentern, zeigt die Studie zwei zentrale Befunde: Während bestimmte Organisationsmerkmale verbreitet sind, offenbart sich jenseits grundlegender Strukturen eine große Vielfalt. Erklärungen bieten situative Faktoren, insbesondere die Organisationsgröße, sowie institutionelle Logiken, die von den Akteuren des Handlungsfeldes geteilt werden.«

Matthias Collischon et al. (2026): Arbeitsbedingungen vor, während und nach der Covid-19-Pandemie: Die Beschäftigungsqualität ist weitgehend stabil geblieben. IAB-Kurzbericht, Nr. 4/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2026
»Hat die Covid-19-Pandemie unsere Arbeitswelt nachhaltig verändert? Antworten auf diese zentrale Frage gibt eine eingehende Analyse der Entwicklung verschiedener Dimensionen der Beschäftigungsqualität während und nach der Pandemie. Neben einer umfassenden Betrachtung aller abhängig Beschäftigten liegt ein besonderes Augenmerk auf den sogenannten systemrelevanten Beschäftigten, deren Arbeitsbedingungen während der Pandemie häufig im Mittelpunkt öffentlicher Debatten standen.«

Luisa Braunschweig et al. (2026): Beschäftigungsaufnahmen aus dem SGB-II-Leistungsbezug und ihre Nachhaltigkeit: Qualifikation und Berufserfahrung zahlen sich aus. IAB-Forschungsbericht, Nr. 4/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2026
»Dieser Forschungsbericht untersucht die Nachhaltigkeit von Übergängen aus Erwerbslosigkeit im SGB-II-Leistungsbezug in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Hinblick auf die aufgenommenen Berufe. Gut die Hälfte dieser Beschäftigungsaufnahmen im Jahr 2018 führte demnach zu einer Beschäftigung mit einer Dauer von mindestens sechs Monaten. Am häufigsten wurde eine Beschäftigung in den Verkehrs- und Logistikberufen aufgenommen. Die Dauer der aufgenommenen Beschäftigung variiert jedoch stark zwischen den Berufen.«

Bernhard Boockmann et al. (2026): Unterstützung durch Jobcenter. Wie Leistungsbeziehende die Grundsicherung wahrnehmen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2026
»Die Studie ist Teil der Untersuchung „Lebenssituation und Erfahrungen von Bürgergeldbeziehenden (LEBez)“ des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und des SOKO Instituts im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Sie untersucht, wie Leistungsbeziehende die Beratung ihres Jobcenters wahrnehmen und wie sie Leistungsminderungen und das Bürgergeld bzw. die Grundsicherung insgesamt bewerten. Die Studie zeigt unter anderem, dass die Mehrheit der Leistungsbeziehenden mit der Arbeit ihres Jobcenters zufrieden ist. Allerdings sagt knapp die Hälfte, dass die Termine beim Jobcenter „nichts bringen“. Daneben ist über die Hälfte der Befragten der Meinung, dass von Leistungsbeziehenden eine Gegenleistung verlangt werden kann. Die Befragung erfolgte vom 15. April bis 18. Juni 2025. Zielgruppe waren erwerbsfähige Leistungsbeziehende zwischen 25 und 50 Jahren, die mindestens seit einem Jahr Bürgergeld beziehen und arbeitslos oder arbeitsuchend sind. Die Stichprobe wurde vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gezogen.«

Thorsten Kalina (2026): Niedriglohnbeschäftigung 2023 – Hohes Armutsrisiko unter Niedriglohnbeziehenden. IAQ-Report 2026-03, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), März 2026
»Die außerplanmäßige Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12 € im Oktober 2022 hat gerade niedrige Stundenlöhne deutlich angehoben. Dieser positive Trend hat sich allerdings 2023 nicht fortgesetzt. Ein besonders hohes Niedriglohnrisiko hatten 2023 Minijobber*innen (79,4 %), Jüngere (43,5 %), Geringqualifizierte (41,9 %), befristet Beschäftigte (37,2 %) sowie Ausländer*innen (28,4 %) und Frauen (23,5 %). Niedriglohnbeschäftigte sind mit 22,6 % sehr häufig armutsgefährdet. Für die abhängig Beschäftigten insgesamt liegt das Armutsrisiko bei 7,3 % und ist damit deutlich geringer als in der Bevölkerung insgesamt (17,7 %). Ein wesentliches Armutsrisiko der Niedriglohnbeziehenden liegt im Erwerbsumfang, sowohl individuell als auch auf der Haushaltsebene. Die Subventionierung von niedrig entlohnter Beschäftigung sollte von den Minijobs hin zu substanzieller Teilzeit verlagert werden.«

David Kipp (2026): Zum Arbeiten nach Deutschland. Faire Anwerbung gestalten – Ausbeutung verhindern, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, März 2026

Wido Geis-Thöne (2026): Iranerinnen und Iraner sind gut am deutschen Arbeitsmarkt integriert. IW-Kurzbericht, Nr. 19/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Fast 60 Prozent der in Deutschland lebenden Iraner im erwerbsfähigen Alter sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, wohingegen dies nur auf etwas mehr als die Hälfte der ausländischen Bevölkerung insgesamt zutrifft. Zudem üben die iranischen Staatsangehörigen weit häufiger qualifizierte Fachkrafttätigkeiten aus.«

Alice Dillbahner und Bernhard Boockmann (2026): Einführung eines digitalen, europäischen Erwerbstätigenausweises. Forschungsbericht 678, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Februar 2026
»Die Expertise untersucht, wie die Kontrolle von grenzüberschreitend tätigen Arbeitnehmern in der EU – mit Fokus auf Deutschland, Frankreich und Polen – durch eine bessere Nutzung und einen stärkeren Austausch von Daten verbessert werden kann und welche Rolle ein digitaler europäischer Erwerbstätigenausweis dabei spielen könnte. Grundlage sind die Analyse der einschlägigen europäischen und nationalen Rechtsgrundlagen, Dateninfrastrukturen und der vorhandenen europäischen Projekte sowie qualitative Interviews mit Experten von Kontrollbehörden, Sozialversicherungen, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften.«

Malte Lübker und Thorsten Schulten (2026): WSI-Mindestlohnbericht 2026. Konsolidierung der neuen Europäischen Mindestlohnpolitik. WSI Report Nr. 111, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), März 2026
»In den vergangenen Jahren hat die Mindestlohnpolitik in Europa einen tiefgreifenden Wandel erlebt: Die Mindestlöhne wurden deutlich angehoben und auf das Ziel ausgerichtet, einen angemessenen Lebensstandard zu sichern. Inzwischen zeichnet sich eine Konsolidierung des neuen Kurses ab: Viele EU-Staaten orientieren sich bei der Bemessung der Mindestlohnhöhe mittlerweile an Referenzwerten, wie sie in der Europäischen Mindestlohnrichtline empfohlen werden, die unlängst vom Europäischen Gerichtshof für grundsätzlich europarechtskonform erklärt wurde. In Deutschland hat die Mindestlohnkommission den Mindestlohn deutlich erhöht und verfolgt nun das Ziel, 60 % des Medianlohns zu erreichen. Da eine gesetzliche Verankerung des Referenzwerts noch aussteht, steht der Fortschritt hierzulande allerdings auf tönernen Füßen.«

Holger Schäfer und Stefanie Seele (2026): Arbeitsmarktpolitische Wirksamkeit von gemeinsamen Einrichtungen und zugelassenen kommunalen Trägern. Gutachten im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitsgeberverbände, Berlin: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Die zweigeteilte Trägerschaft in der Grundsicherung zwischen gemeinsamen Einrichtungen von Arbeitsagentur und Kommune auf der einen Seite und rein kommunalen Trägern auf der anderen Seite ist historisch gewachsen. Dem Konnexitätsprinzip wird dabei nur unzureichend Rechnung getragen. Erstens besteht aufgrund von gemischten Zuständigkeiten in allen drei Dimensionen Regelungskompetenz, Finanzierung sowie Durchführungskompetenz kein echter Ansatzpunkt für die Ausführungskonnexität, die für eine effiziente Leistungserbringung entscheidend ist. Zweitens ist das Problem bei den kommunalen Trägern noch einmal stärker ausgeprägt, weil Finanzierung (Bund), Fachaufsicht (Bundesländer) und Ausführung (Kommune) in unterschiedliche föderale Ebenen fallen. Demgegenüber bestimmt im Modell der gemeinsamen Einrichtungen mit der Bundesagentur für Arbeit ein Agent des Bundes über wesentliche Parameter der Leistungserbringung. Die wenigen Befunde der Evaluationsforschung zeigen kein vollkommen eindeutiges Bild hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der zwei Trägertypen. In vielen Modellen zeigt sich ein Vorsprung der gemeinsamen Einrichtungen, wenn auf die Integration in Arbeit als übergeordnetes Ziel fokussiert wird. Es gibt aber auch einzelne Konstellationen, in denen dieser Vorsprung nicht statistisch signifikant ist oder sich sogar ein signifikanter Nachteil zeigt. Die bislang jüngste Untersuchung ergibt eine höhere Integrationsleistung für die gemeinsamen Einrichtungen.«

Philipp Fuchs et al. (2026): Interne ganzheitliche Integrationsberatung (INGA): Organisation und Praxis der Beratung von arbeitsmarktfernen Arbeitslosen im SGB III. IAB-Forschungsbericht, Nr. 3/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2026
»Lange Zeit konzentrierten sich die Anstrengungen der Arbeitsvermittlung im SGB III vor allem auf Personen mit vergleichsweise guten Chancen auf eine zügige Re-Integration in den Arbeitsmarkt. Personen, die bei der Arbeitssuche mit größeren Hemmnissen konfrontiert sind, wurden vielfach nicht so intensiv gefördert, wie es möglich und sinnvoll gewesen wäre. Die „Interne ganzheitliche Integrationsberatung“ (INGA) richtet sich als spezialisiertes Beratungsangebot an Arbeitslose mit komplexen und multiplen Problemlagen und wurde im Rahmen des Forschungsprojekts „Betreuung arbeitsmarktferner Arbeitsloser“ (BafAlo) mittels qualitativer Methoden untersucht. Der neue IAB-Forschungsbericht stellt die wesentlichen Ergebnisse zu INGA vor.«
Zu der „Internen ganzheitlichen Integrationsberatung“ (INGA) vgl. auch diesen früheren Beitrag aus dem IAB:
Philipp Fuchs et al. (2024): Wie Arbeitsagenturen arbeitsmarktferne Arbeitslose durch spezialisierte Beratung unterstützen, in: IAB-Forum, 04.11.2024

Julia Backmann et al. (2026): Die 4-Tage-Woche in Deutschland: Ein Follow-Up zwei Jahre nach dem Start der Pilotstudie, Berlin: Intraprenör, Februar 2026

BA (2026): Arbeitsmarktsituation von langzeitarbeitslosen Menschen, Nürnberg: Bundesagentur für Arbeit (BA), Februar 2026

Andreas Friemer und Günter Warsewa (2026): Der Weiterbildungssektor im Land Bremen. Strukturen, Herausforderungen, Arbeitsbedingungen und Beschäftigungsverhältnisse, Bremen: iaw – Institut für Arbeit und Wirtschaft und Arbeitnehmerkammer Bremen, 2026

Senghaas, Monika (2026): Der Kooperationsplan in der Beratungspraxis. IAB-Forschungsbericht, Nr. 2/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2026
»Mit der Bürgergeldreform wurde der sogenannte Kooperationsplan eingeführt. Jobcenter sollen für jede leistungsberechtigte Person einen solchen Plan erstellen und darin das Eingliederungsziel sowie wichtige Schritte auf dem Weg dorthin festhalten. Der Kooperationsplan ist nicht unmittelbar mit Rechtsfolgen verknüpft. Für diesen Forschungsbericht ausgewertete Kooperationspläne enthielten neben arbeitsbezogenen Zielen und Aktivitäten vergleichsweise häufig Zwischenziele und Teilschritte aus anderen Bereichen, beispielsweise zum Spracherwerb. Zudem wurden bei der Arbeitsaufnahme zu berücksichtigende Rahmenbedingungen, etwa gesundheitliche Einschränkungen, festgehalten. Als Unterstützung durch das Jobcenter wurde am häufigsten auf arbeitsmarktbezogene Beratung und die Zusendung von Stellenvorschlägen verwiesen. Jobcentermitarbeitende sehen die Kürze und Übersichtlichkeit des Kooperationsplans positiv. Sie kritisieren jedoch, dass es zu langwierig und aufwändig ist, Leistungen zu mindern, wenn Leistungsberechtigte die im Kooperationsplan festgehaltenen Aktivitäten nicht erbringen. Zudem halten sie es für wenig sinnvoll, mit allen Leistungsberechtigten einen Kooperationsplan abzuschließen. In Beratungsgesprächen wird der Kooperationsplan vorrangig als Zusammenfassung und Dokumentation genutzt. Das bedeutet, dass zunächst losgelöst vom Kooperationsplan über Zielperspektiven und die nächsten anstehenden Schritte gesprochen wird. Im Anschluss wird das Besprochene im Kooperationsplan dokumentiert. Dieser Prozess wird überwiegend durch Jobcentermitarbeitende gesteuert. Die für 2026 geplante Reform des SGB II behält die rechtliche Unverbindlichkeit des Kooperationsplans bei. Gleichzeitig werden die Regeln für die Festlegung rechtsverbindlicher Mitwirkungspflichten präzisiert. Dies kann möglicherweise die Akzeptanz des Kooperationsplans in den Jobcentern fördern. Es bleibt abzuwarten, welche Rolle das Instrument unter den veränderten Rahmenbedingungen in der Beratungspraxis spielen wird.«

Elisabeth Artmann (2026): Umschulungsbereitschaft von Geringqualifizierten und finanzielle Anreize. IAB-Forschungsbericht, Nr. 1/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2026
»In einer sich rapide wandelnden Arbeitswelt ist berufliche Weiterbildung wichtiger denn je. Um finanzielle Anreize für eine geförderte abschlussorientierte Weiterbildung zu schaffen, wurde im Jahr 2016 eine erfolgsabhängige Weiterbildungsprämie in Höhe von 2.500 Euro und im Jahr 2023 ein monatliches Weiterbildungsgeld von 150 Euro eingeführt. Der vorliegende Bericht basiert auf einer Befragung von Geringqualifizierten zwischen 25 und 60 Jahren, die unabhängig von ihrem Erwerbsstatus zur Teilnahme eingeladen wurden. Knapp 61 Prozent der Befragten bezogen eigenen Angaben zufolge Bürgergeld. Laut der Befragung waren die Weiterbildungsprämie und das Weiterbildungsgeld ‑ trotz einer hohen geäußerten Umschulungsbereitschaft ‑ nur einer Minderheit bekannt. Wichtige Attraktivitätskriterien von Umschulungen waren für die Befragten ein zur Person passendes Berufsziel sowie bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Weiterbildungsprämie und Weiterbildungsgeld waren für einen Teil der Befragten zwar auch wichtig, spielten insgesamt aber eine geringere Rolle als andere Kriterien. Häufig genannte Gründe, eine mögliche Umschulung abzulehnen, waren der Verzicht auf ein richtiges Einkommen während der Umschulung und die Unsicherheit über deren finanziellen Ertrag. Bürgergeldbeziehende nannten zudem häufig Kinderbetreuungsverpflichtungen und gesundheitliche Probleme als Weiterbildungshemmnisse.«

Birgit Schulz (2026): Aktuelle Trends: Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umwandeln – Was bedeutet das?, in: Wirtschaft im Wandel, Heft 1/2026
»Aktuell wird diskutiert, Minijobs schrittweise in reguläre sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu überführen. Nach Berechnungen des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) würde dies bei etwa vier Millionen betroffenen Minijobbern Zusatzeinnahmen der Sozialversicherungen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2026 zulasten der Nettoeinkommen der Betroffenen bedeuten.«

Yuliya Kosyakova et al. (2026): IAB-BAMF-SOEP-Befragung verknüpft mit BA-Beschäftigungsstatistik: Deutliche Fortschritte bei der Arbeitsmarktintegration ukrainischer Geflüchteter. IAB-Kurzbericht, Nr. 3/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Februar 2026
»Die Hälfte der zu Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine nach Deutschland eingereisten ukrainischen Geflüchteten ist dreieinhalb Jahre nach ihrem Zuzug beschäftigt. Zwischen Frauen und Männern bestehen jedoch weiterhin Unterschiede, wie dieser IAB-Kurzbericht zeigt. Frauen arbeiten häufiger in Helfertätigkeiten und Männer häufiger in Fachkraftpositionen. Ein erheblicher Teil beider Geschlechter ist zudem in systemrelevanten und in Engpassberufen beschäftigt.«

Bundesrechnungshof (2025): Förderung schwer zu erreichender junger Menschen nach § 16h SGB II. Vergabemaßnahmen bei zugelassenen kommunalen Trägern, Bonn, 15.12.2025
»Der Bundesrechnungshof hat die Förderung schwer zu erreichender junger Menschen nach § 16h SGB II durch Vergabemaßnahmen bei zugelassenen kommunalen Trägern (Jobcenter) geprüft. Eine Förderung nach § 16h SGB II zielt u. a. darauf ab, junge Menschen, die Schwierigkeiten haben, die Schule oder eine Ausbildung abzuschließen, durch niedrigschwellige Angebote zu unterstützen. Bei 12 der 17 Maßnahmen hatten die Jobcenter nicht dokumentiert, wie sie den Bedarf für die Förderung nach § 16h SGB II analysiert hatten. Auch die wenigen vorhandenen Bedarfsanalysen waren unvollständig, insbesondere fehlten Angaben zur Bedarfsermittlung der Teilnehmendenplätze und zur Abstimmung mit der öffentlichen Jugendhilfe. Ohne Bedarfsanalyse besteht das Risiko, unnötige und damit unwirtschaftliche Maßnahmen zu finanzieren. Die Jobcenter müssen deshalb den Bedarf klar ermitteln und dokumentieren, bevor sie Aufträge erteilen oder Verträge verlängern. Sie müssen sich zudem mit der Jugendhilfe abstimmen, um Mehrfachförderungen zu vermeiden.«

Jonas Hennrich und Daria Schaller (2026): Berufseinsteiger*innen im Fokus: Unternehmen setzen auf Soft Skills und Künstliche Intelligenz, in: ifo Schnelldienst, Heft 1/2026
»Das ifo Institut befragt in Zusammenarbeit mit Randstad Deutschland quartalsweise deutsche HR-Abteilungen zu personalpolitisch relevanten Themen. Neben wiederkehrenden Standardfragen standen im vierten Quartal Berufseinsteiger und die Bedeutung von Berufserfahrung im Fokus. Etwa ein Drittel der Unternehmen sieht Berufserfahrung inzwischen als stärkeres Einstellungskriterium, während die Mehrheit keinen Bedeutungszuwachs beobachtet. Bei Einsteigern zählen vor allem Kommunikations- und Teamfähigkeit, gefolgt von Selbstorganisation und Verantwortungsbewusstsein. Außerdem gewinnt Künstliche Intelligenz (KI) an Bedeutung: Viele Unternehmen planen, KI bei typischen Einsteigeraufgaben einzusetzen, einen großflächigen Ersatz von Mitarbeitenden erwarten jedoch nur wenige. Die meisten Betriebe planen, die Zahl der Einstiegsstellen stabil zu halten.«

Andreas Jansen und Martin Brussig (2026): Transformation der Industrie in Berlin und Brandenburg – Folgen für den Arbeitsmarkt. IAQ-Report 2026-02, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), Februar 2026
»Die vielfach diskutierte Wirtschaftstransformation ist auf den Arbeitsmärkten in der Region Berlin-Brandenburg schon heute sichtbar. In manchen industriellen Segmenten und Regionen entstehen neue Jobs, während vor allem die klassischen Bereiche der Metall- und Elektroindustrie Beschäftigung verlieren. Die Heterogenität zwischen Arbeitsmarktregionen und Branchen nimmt zu. In Berlin besteht in einzelnen Berufsgruppen kein oder nur ein geringer Engpass an Fachkräften. Hingegen bestehen Engpässe in den meisten brandenburgischen Regionen und betreffen mehrere Berufsbereiche der Metall- und Elektroindustrie. Für die Arbeitsmarktsteuerung und Fachkräftesicherung bedeutet dies, dass vor allem für die peripheren und industriell geprägten Regionen Brandenburgs eine klare und akute Notwendigkeit besteht, Arbeitskräftemangel zu beheben. Aus arbeitsmarktpolitischer Perspektive ist ein kleinräumiges und sektorales Matching unerlässlich, um sowohl Überhänge als auch Engpässe auszugleichen. Der mit der Transformation einhergehende Bedarf an passgenauer und flexibler Arbeitsmarktsteuerung sollte die Sozialpartner einbeziehen.«

Gerard J. van den Berg et al. (2025): Effects of Welfare Sanctions in Couple Households. IZA DP No. 18253, Bonn: IZA – Institute of Labor Economics, November 2025
»Bedarfsorientierte Sozialleistungen werden in der Regel auf Haushaltsebene gewährt. Die Bemühungen arbeitsloser Sozialleistungsempfänger um eine neue Beschäftigung werden überwacht, und die Nichteinhaltung der Anforderungen zur Arbeitssuche kann zu Sanktionen und damit zu einem vorübergehenden Rückgang des Haushaltseinkommens führen. Bei arbeitslosen Paaren, die Sozialleistungen beziehen, wird eine Sanktion in der Regel durch einen der Partner ausgelöst, aber potenziell wird die Belastung von beiden getragen. Wir untersuchen die Auswirkungen von Sanktionen auf ihre Übergangsquoten in den Arbeitsmarkt. Wir untersuchen theoretische Implikationen und liefern empirische Belege auf der Grundlage von Verwaltungsdaten aus Deutschland. Wir stellen fest, dass Sanktionen die Wahrscheinlichkeit einer Beschäftigung sowohl für den sanktionierten Sozialhilfeempfänger als auch für dessen Partner erhöhen. Frauen reagieren stärker auf eine Sanktion ihres Partners als Männer.«

Wido Geis-Thöne (2025): 300.000 Betreuungsplätze für unter Dreijährige fehlen. Eine Betrachtung der Entwicklung von Bestand und Bedarf an Betreuungsplätzen. IW-Report, Nr. 63/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
»Hatte die Zahl der unter Dreijährigen in institutioneller Betreuung im Jahr 2023 mit 857.000 ihren Höchststand erreicht, ist sie bis zum Jahr 2025 wieder um 56.000 oder 6,5 Prozent auf nur noch 801.000 gesunken. Niedriger lag sie letztmals im Jahr 2018. Ursächlich hierfür sind vorwiegend die stark gesunkenen Kinderzahlen. Lebten Ende des Jahres 2022 noch 2,28 Millionen unter Dreijährige in Deutschland, waren es Ende des Jahres 2024 nur noch 2,12 Millionen. Gleichzeitig ist im letzten Jahr allerdings auch die Betreuungsquote leicht von 38,2 Prozent auf 37,8 Prozent gesunken (jeweils bezogen auf Kinderzahlen nach Korrektur der Bevölkerungsbestände mit dem Zensus 2022), was bisher nur einmal – im Umfeld der Corona-Pandemie im Jahr 2021 – der Fall war. Legt man die Angaben von Eltern zu den Betreuungswünschen für ihre unter Dreijährigen aus dem Vorjahr zugrunde, hätte im Jahr 2025 an sich ein Bedarf an 1,10 Millionen Betreuungsplätzen bestanden, womit sich rechnerisch eine Lücke von 300.000 Plätzen ergibt.«

Michaelle Nintcheu (2025): Fachkräfteeinwanderung über die Chancenkarte. IW-Kurzbericht, Nr. 96/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
»Die Chancenkarte zählt zu den populärsten Neuregelungen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes und erleichtert Drittstaatsangehörigen den Zugang zum Arbeitsmarkt – doch die Regelung ist in der bisherigen Umsetzung schwierig und vielen Arbeitgebern noch unbekannt.«

Aktion Mensch (2025): Inklusionsbarometer Arbeit. Ein Instrument zur Messung von Fortschritten bei der Inklusion von Menschen mit Behinderung auf dem deutschen Arbeitsmarkt, 13. Jahrgang (2025), Bonn: Aktion Mensch, November 2025

Anna Bindler et al. (2025): Erwerbstätigkeit im Alter: bereits bedeutend – aber ausbaufähig, in: DIW Wochenbericht, Nr. 48/2025
»Eine höhere Erwerbsbeteiligung älterer Menschen wird häufig als Möglichkeit gesehen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Das tatsächlich realisierbare Potenzial lässt sich jedoch nur schwer abschätzen. Ein Ausgangspunkt ist die bereits bestehende Beschäftigung Älterer. Auswertungen von Daten des Mikrozensus 2022 zeigen, dass Personen im Alter von 66 Jahren und älter bereits heute einen beachtlichen Anteil der Erwerbstätigen stellen, ihre durchschnittlichen Arbeitszeiten fallen jedoch niedriger aus als bei Jüngeren. Unter den älteren Erwerbstätigen sind Selbstständige überdurchschnittlich stark vertreten. Je besser die gesundheitliche Verfassung und je höher das Bildungsniveau, desto größer ist die Erwerbsbeteiligung im Alter. Die Beschäftigung Älterer erstreckt sich zudem über zahlreiche Branchen. Sie sind etwa genauso häufig wie Jüngere in Berufen tätig, in denen die Arbeitsnachfrage das Angebot nicht nur kurzfristig übersteigt (Engpassberufe). Neben Anpassungen im Renten- und Steuerrecht könnten vor allem Maßnahmen zur Förderung von Bildung und Gesundheit zu einer weiteren Ausweitung der Beschäftigung Älterer beitragen.«